Weg mit dem Muttizettel

Gut gelauntes Baby
Gut gelaunt

Heute ist es soweit. Das jüngste meiner zwei Kinder wird 18 Jahre alt.  „Fucking unfassbar“ würde Rea Garvey sagen. Ich muss schlucken vor Rührung. Und bin gleichzeitig stolz.

Vor 18 Jahren kamst du, lieber J., als mein zweites Kind zur Welt. Du warst von Anfang an ein „Strahlemann“. Stets gut gelaunt, lächeltest du schon aus dem Kinderwagen jeden Menschen an. Deinem Lächeln konnte damals niemand widerstehen. Und durch dich durfte ich erleben, wie schön es ist, zu knuddeln und zu herzen. Du warst mein Knuddelkind. Es war soooo schön.

Du warst selten aus der Ruhe zu bringen. Solltest du beim Krabbeln oder Laufen mal irgendwo angestoßen sein, fiel dein Blick kurz auf uns und weiter gings. So gut wie nie Tränen. „Der Volvo unter den Kindern“, so nannte dich deshalb dein Opa. Unkaputtbar sozusagen. Krankheiten kanntest du nicht, abgesehen von Windpocken.

Ob es an deinem Sternzeichen liegt oder nicht: Von Anfang an hattest du einen dicken Kopf. Du wusstest schon sehr früh, was du wolltest – bzw. vor allem, was du nicht wolltest. Kein Unterhemd! Kein Käse! Nix Neues probieren. Da half kein Betteln, Bestechen, Drohen. Du warst selten von etwas anderem zu überzeugen.

Meine Vorstellung, Mädchen wären in Kleiderfragen komplizierter, warfst du eindeutig über den Haufen. Keiner wusste so genau, was er anziehen will und was nicht, wie du. Du hattest das Glück, in mir eine sehr tolerante Mutter zu haben, die dir sehr früh die Entscheidung bezüglich Klamotten und Essen übertragen hat – und ich finde, wir sind sehr gut damit gefahren. Du wirst dich Z.B. sicherlich auch in Zukunft an das morgendliche Frage- und Antwortspiel erinnern. „Soll ich eine Jacke anziehen?“ – „Ich finde es kalt und würde eine anziehen, aber wie ich dich kenne, brauchst du keine.“ 🙂 Genau so war es dann auch. Ich zog mit dicker Jacke los, während du lediglich im Pulli (und ohne anschließende Erkältung) durch die Gegend liefst.

Wie auch deine Schwester, musstest du sehr früh schon eine Brille tragen. Dieser Umstand führte wohl dazu, dass ich heute bei jedem kleinen Jungen mit Brille, der mir über den Weg läuft, ein Sehnen in meiner Brust verspüre. Nach euch als kleine Kinder, eurer Unbeschwertheit, eurer Kindheit. Es ist schon soo lange her.

Wann war der Wechsel, dass deine Pullis, Strümpfe, Unterwäsche nicht mehr die kleinsten waren? Du bist inzwischen größer als ich, fährst Motorrad und hast gestern das erste mal gewählt. Heute musst du nicht mich fragen, um an irgendetwas dran zu kommen, sondern ich frage dich, ob du mir von oben etwas herunter reichen kannst.

Die letzte Unterschrift auf dem Muttizettel ist geschrieben. Ab sofort kannst du endlos in die Disco gehen, ohne dass der Muttizettel dir die Erlaubnis gibt, nach 0:00 Uhr weiter zu feiern. Wie gut, dass ich mich auch weiterhin auf dich verlassen kann.

Noch gehst du zur Schule und wirst eine Zeitlang bei uns wohnen. Wohin dein Weg dich führen wird, weißt du noch nicht – aber sicherlich irgendwann weg von zu Hause. Deshalb genieße ich es jetzt noch, dich um mich zu haben, auch wenn solche Momente – zugegebenermaßen – inzwischen selten sind. 18jährige verbringen halt nicht viel Zeit mit ihren Eltern 🙂

Von Herzen gratuliere ich dir zur Volljährigkeit mein Sohn. Mögest du dein sonniges Wesen immer bewahren.

Vom Schreiben, Sinnieren und Meditieren

Nach einer Rundwanderung schreibt es sich gleich viel besser.
Nach einer Rundwanderung schreibt es sich gleich viel besser.

Vor kurzem war ich im wunderschönen Kloster Himmerod zum Kurs „Schreiben und Meditieren„. Und so war es für mich:

Gut liegt er in der Hand, der neue Füller. Er schmiegt sich in meine Finger, als wäre er dort zu Hause. Kuschelt sich fest an mich und möchte dennoch fließen. Es ist Jahrzehnte her, dass ich einen Federhalter mein Eigen nennen konnte. Im Zeitalter von Computer und Handy wirkt er zuerst für mich wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Der Geruch von Kreide steigt in meiner Nase auf, das Quietschen der Schiefertafel summt in meinem Ohr. Fast bin ich wieder ein Grundschulkind. Aber nur fast. In Wirklichkeit sitze ich im Zug, unterwegs von der Arbeit nach Hause und entwerfe auf einem kleinen Block eine grobe Skizze meines Buches. Jetzt endlich habe den Mut, loszulegen. Anzufangen. Das, was seit Jahren in mir schlummert, in den Fluss zu bringen.

Wann singt dein Herz?

Wenn ich Menschen befrage, was sie sehr gerne machen, bekomme ich vielfältige Antworten zu hören. Ein jeder kann etwas erzählen: vom Tanzen, Joggen, Meditieren, Malen … Die Augen der Menschen fangen an zu leuchten und es geht eine Energie von ihnen aus, die fast greifbar ist. Meine Frage lautet deshalb immer „Wann singt dein Herz?“ Und es sprudelt aus ihnen heraus. Doch wenn ich dann frage: „Wie oft machst du das, was dein Herz glücklich macht?“ werden sie still. Nachdenklich. Und die Antwortet lautet fast immer „Viel zu selten.“

So ist es auch bei mir. Schon als Jugendliche schrieb ich kleine Kurzgeschichten. Damals noch mit Füller in einem Heft. Dann kam das Studium, die erste Schreibmaschine und der Füllfederhalter verschwand. Irgendwo in meinem Zimmer liegen mehrere Din A4-Seiten mit Texten. Angefangene Bücher. Irgendwo, vergraben unter Rechnungen, Fotoalben, Schmierpapier. Heute sitze ich den ganzen Tag am Rechner und tippe in großer Geschwindigkeit, klicke hier und dort, blogge und twittere. Zücke bei der erst besten Gelegenheit das Handy, um auf dem Laufenden zu sein. Arbeitsaufträge an die Kinder zu verschicken. Liebesgrüße an meinen Mann. Ständig online. Ständig vernetzt. Alles weit entfernt von dem, was mich wirklich glücklich macht.

Da kam mir das Seminar „Schreiben und Meditieren“ gerade recht. Welch ein Segen, ein Wochenende lang nur für mich und meine Gedanken. Innenschau halten. Schreiben können. Und das auch noch direkt um die Ecke. Keine halbe Stunde Fahrtzeit von mir entfernt liegt das imposante Kloster Himmerod inmitten einer wundervollen, unberührten Landschaft. Dass damit auch ein Funkloch verbunden sein würde, war mir zum Zeitpunkt der Anmeldung zum Glück nicht bewusst.

Leidenschaft und Ritter

An einem Freitagnachmittag um 16 Uhr ging es los. Nachdem ich die Vorstellungsrunde aufgrund der chaotischen Organisation des Klosterbruders leider verpasst hatte, wurden wir von Rüdiger Heins, dem Kursleiter, auf spielerische Art an das Erzählen, Geschichtenmalen gebracht. Ein jeder wurde aufgefordert, den Inhalt seiner Hosentasche vor sich auszubreiten und allen zu erzählen, warum er welche Gegenstände mit sich herum trägt. Interessant, was da so zu tage kam. Die Gegenstände und ihre Geschichten vermittelten mir einen ersten Eindruck der Menschen, mit denen ich die nächsten zwei Tage verbringen wurde. Da gab es die Minimalisten, die wirklich nur das notwendigste bei sich trugen. Und die Jäger und Sammler, die für alle Eventualitäten gerüstet waren.

Weiter ging es mit unserem eigenen Namen. Wir notierten spielerisch Wort-Assoziationen und trugen diese anschließend im Kreis vor. Und dann ging es ans Schreiben. Rüdiger pickte sich bei jedem ein oder mehrere Begriffe heraus, und wir bekamen die Aufgabe, eine Geschichte zu schreiben, die die vorgegebenen Worte enthalten musste. Und ich legte los. Was sich im Laufe des Wochenendes verstärkt zeigen würde, nahm hier seinen Anfang: In mir schlummern Geschichten. Wie aus dem Ärmel geschüttelt, entfloss meiner Hand eine Kurzgeschichte über Liebe, Ritter und Leid. Das Schreiben mit der Hand war noch ungewohnt, aber da gab es etwas, was hinaus wollte und ruck-zuck war ich im Fluss. Es folgten noch weitere einfache Schreibübungen, zum Beispiel „das Elfchen“. Was mich erst etwas abgeschreckt hatte (Lyrik? Oh Gott) machte mir plötzlich viel Spaß und ich entdeckte den Schalk in mir, beim Dichten humorvoller Texte.

Eine ruhige Zen-Meditation, die wir nach einigen Tai-Chi-Übungen zusammen in der Kapelle erlebten, bildete einen runden Abschluss zu diesem kreativen Einstieg. Zurück in meinem einfachen Zimmer blieb mir mangels fehlender Internet-Verbindung und Sitzgelegenheit nur noch das Bett und ziemlich schnell war ich eingeschlafen.

Offline – Online – Inline

Auf meinem längeren morgendlichen Spaziergang im Wald (hurra, ich hatte endlich Internetverbindung und konnte twittern und smsen) liefen mir drei Rehe über den Weg und ich war beseelt von der Stille im Wald und der Ursprünglichkeit um mich herum. Nach dem Frühstück trafen wir uns in der Kapelle und begannen den Tag wie wir ihn abends beendet hatten: mit Tai-Chi und Meditation. Was danach folgte, waren Stunden, die an Intensität kaum zu überbieten sind. Rüdiger stellte uns verschiedene Übungen vor, wie wir in das Schreiben kommen können. Wir schrieben Zweiminuten-Texte oder bekamen zehn Wörter, die wir in Prosa aufbereiten sollten. Es war berührend und spannend, zu erleben, welch unterschiedliche Geschichten entstanden. Manch einer packte seine Seele ungeschützt und offen in seinen Text. Zum Glück war die Gruppe sehr harmonisch. Es gab keine Kritik, keiner wurde ausgelacht. Alles, was herauskam, wurde getragen und manches murmelnde Nicken zeigte: Da hat jemand den richtigen Ton, die richtigen Worte gefunden.

Die Haiku-Dichtung, die mir vorab etwas Respekt eingeflößt hatte, lockte erneut den Schalk in mir hervor und ich dichtete munter Humorvolles. Dank des zauberhaften Frühlingswetters konnten wir den ganzen Nachmittag draußen in der Weidenkapelle oder am Teich verbringen und ein Schreibimpuls nach dem anderen tauchte auf. Beim Thema „Die innere Landschaft in mir“ entstand die bisher erste eigene Liebeserklärung an mich selbst.

Unser Tag ging bis 22 Uhr. Ausgefüllt mit Glücksmomenten, Ergriffenheit, Kreativität, Traurigkeit und Gedankenfetzen, war ich lediglich noch in der Lage, mir die Zähne zu putzen, bevor ich völlig ermattet ins Bett sank.

Die morgendliche Schweige-Meditation brachte mich in Kontakt mit meiner Großmutter, die vor wenigen Tagen 100 Jahre alt geworden und die vor zwei Jahren gestorben war. Es war ein so berührendes Erlebnis, dass ich erst einmal unfähig war, aufzustehen und zum Kurs zu gehen. Aber auch das war in Ordnung, wie es war. Dass beim Schreiben und Meditieren an der Seele gerüttelt wird und nicht alles genau nach getaktetem Plan laufen kann, wurde von allen akzeptiert. Rüdiger gab uns zum Abschluss noch viele verschiedene Tipps mit auf dem Weg („Kauft euch einen Füller und habt immer einen Block dabei“) und mit dem gemeinsamen Mittagessen endete ein ausgefülltes und kreatives Wochenende.

Nun liegt es an mir, dafür zu sorgen, dass diese wundervollen Momente der Stille, der Kreativität und der Innen-Schau auch Platz im Alltagsleben finden. Dass der Füller nicht sinnlos gekauft wurde. Es gilt, das tägliche Leben so zu stricken und zu weben, dass es eine runde Sache wird. Denn schließlich: “Wann singt mein Herz und wie oft nehme ich mir Zeit dafür?“

Und wenn sie nicht gestorben sind … dann lieben sie noch heute

Das Geheimnis einer wundervollen Partnerschaft

Um es vorweg zu schicken: dieser Blogbeitrag enthält kein Patentrezept für eine erfüllende und glückliche Partnerschaft. Sondern ich frage EUCH, möchte von Euch wissen: Was macht Eure Partnerschaft glücklich? Was hält sie am Leben?
Oder auch: Was hat eurer gescheiterten Partnerschaft gefehlt? Weshalb ging sie auseinander?

Unterwegs an der Mosel
Unterwegs an der Mosel

Wie komme ich darauf?

Vor kurzem hatte ich Besuch von einem alten Freund, dessen Ehe nach 10 Jahren Knall auf Fall auseinander gegangen ist. Im Laufe des Gesprächs fiel dann die Aussage: „Naja, nach 10 Jahren ist halt vieles eingespielt. Da ist kein Herzklopfen mehr.“
Als ich dann lachend widersprach mit dem Hinweis, dass ich nach 12 Jahren Partnerschaft sehr wohl gelegentlich Schmetterlinge im Bauch habe, Herzklopfen oder ein plötzliches, tiefes Sehnen nach meinem Mann am helllichten Tag auf der Arbeit, wollte mein Gesprächspartner dann natürlich wissen, wie wir unsere Ehe so lebendig halten.

Leider hatte ich darauf keine wirkliche Antwort. Kein Patentrezept. Eine Freundin von mir beichtete mir letzte Woche, sie wünsche sich einen Partner, der die gleichen Hobbys wie sie habe. So nach dem Motto: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“
Tatsächlich ist es so, dass mein Mann und ich gar nicht sehr viel gemeinsam haben.
Wir hören unterschiedliche Musik.
Er fährt Motorrad, ich mache Hulahoop.
Er zockt an der Xbox, ich meditiere.
Er liebt Peng-Peng-Filme, ich reise mit Star Trek-Filmen durch das Weltall.
Ich bin Frühaufsteher, er schläft gerne lang.

Was verbindet uns?

Uns verbinden ein tiefes Grundvertrauen und Akzeptanz. Jeder von uns darf seinen Hobbys nachgehen und keiner macht sich über diese lustig. Ich mag es, wenn mein Mann mit dem Motorrad unterwegs ist. In dieser Zeit kann ich meinen Hobbys nachgehen oder einfach nur abhängen. Zurück kommt dann in der Regel ein gut gelaunter Mann mit leuchtenden Augen, der entspannt ist und Zeit für mich hat.

Blumen an der Mosel
Virtueller Blumenstrauß – von meinem Mann per Whatsapp an mich geschickt

Wir haben aus der Not (anständig Essen zu wollen) eine Tugend gemacht und kochen jeden Abend zusammen. Das läuft – ich gebe es zu – nicht immer konfliktfrei ab, aber es ist ein schöner Tagesausklang, wenn wir gemeinsam in der Küche stehen, Gemüse schnippeln und uns erzählen, wie der Tag so war. So gesehen würde ich es nicht als Hobby bezeichnen, aber es ist etwas, was wir mal mehr, mal weniger gerne machen, aber fast immer zu zweit.

Als echtes gemeinsames Hobby haben wir das Walking. Oft drehen wir abends nach dem Essen noch eine kleine Runde (eine Stunde). Bei schnellem Gehtempo lassen wir die Verspannungen des Tages hinter uns und bringen frischen Wind in unsere Gedanken. Uns bleibt auch noch genügend Luft, um uns zu unterhalten, zu scherzen oder die Natur zu genießen.
Gelegentlich wandern wir dann am Wochenende größere Runden (12 bis 22 km). Zugegebenermaßen im Sommer etwas öfter als im Winter 🙂

Das Geheimnis?

Nun, worin besteht dann unser Geheimnis? Ich weiß es schlicht nicht. Was ich für mich auf jeden Fall sagen kann: Ich sorge selbst so gut für mich, dass mein Mann dann das Sahnehäubchen auf meinem Leben ist. Ich würde ohne ihn nicht „verhungern“. Aber ich genieße dieses „Extra“, das er für mich ist. Ich wache morgens auf, schaue nach links und denke nur „Ja, den würde ich sofort wieder heiraten!“ 🙂

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir als Kommentar eure Meinungen zur Partnerschaftspflege schreibt. Wie haltet ihr eure Partnerschaft lange und gesund am Leben? Ich freue mich auf Eure Antworten. Vielleicht kann ich meinem alten Freund noch ein paar gute Hinweise von Euch weitergeben.