Wertstofftonne – Briefe an Gott

Mülleimer mit Beschriftung "Briefe an Gott"
Briefe an Gott?!

Zweimal täglich gehe ich zu Fuß eine kleine, überschaubare Strecke zwischen meinem Parkplatz und meiner Arbeit. Dabei komme ich auch an einem Mülleimer vorbei. Bisher war er mir nicht sehr ins Auge gefallen – es sind mehrere Abfalleimer auf der Strecke. Und wenn ich nicht gerade etwas wegwerfen möchte, nehme ich die Müllkübel natürlich nicht wahr. Bis letzte Woche. Beim Vorbeischlendern am Nachmittag entdeckte ich den folgenden Aufdruck:

Briefe an Gott - Beschriftung auf einem Mülleimer
Briefe an Gott

Mein erster Gedanke war: „Unverschämtheit! Wie kann man nur?“ Ich hielt tatsächlich kurz im Schritt inne – aber weil so viele Menschen an der Bushaltestelle standen, ging ich einfach weiter. Hatte ich richtig gelesen? Wie kann man nur so etwas auf einen Mülleimer schreiben? Sozusagen: „Schmeiß alles rein, ist sowieso für die Katz!?“

Bereits nach weiteren Schritten schlich sich jedoch ein Lächeln auf meine Lippen. Wie kreativ, dachte ich nur. Da hat sich jemand richtig viel Mühe gemacht. Schade, dass derjenige kein Gottvertrauen hat. Aber jeder wie er will. Wenn es ihm Spaß macht …

Doch je näher ich meinem Auto kam, desto bewusster wurde mir: Da hat einer unbewusst die Kernbotschaft Gottes erkannt. Heißt es nicht in der Bibel: „Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ (Matthäus 11:28)? Bietet uns Gott nicht täglich immer wieder an, dass wir unseren ganzen Gedankenmüll, unsere Sorgen, unseren Kummer bei ihm abladen können? Nichts ist ihm zu schmutzig, zu wertlos. Er nimmt sich aller Sorgen und Nöte an und hört zu. Gott ist sozusagen unser Kummerkasten, unser Mülleimer, unsere Wertstofftonne. Ich muss mich nicht schämen, für das, was ich dort hinein gebe. Alles wird ohne Widerspruch angenommen und entsorgt.

Kummerpäckchen

In einer Zeitschrift habe ich einmal den Tipp gelesen, dass man seinen Kummer, seine Sorgen einfach an das Universum (Gott) abgeben könne. Man stelle sich einfach vor, wir man all das, was einen belastet, in ein Päckchen packt, fest verschnürt und es dann „abgibt“ – verbunden mit dem beruhigenden Gefühl: „So, das bin ich jetzt los. Jetzt darf sich ein anderer darum kümmern.“

Es gibt sicherlich psychologische Untersuchungen, dass dieser Trick gar nicht so schlecht ist. Denn er befreit. Während man sonst Ärger, Kummer und Sorgen tagtäglich mit sich herum schleppt, fühlt es sich leichter, befreiter an, wenn man diese einfach „abgibt“.

Ich nehme mir also vor, unbequeme Gedanken, Sorgen und Kummer ab sofort in mein virtuelles Päckchen zu packen und nach Feierabend auf dem Weg zum Auto einfach in diesem wunderbaren Mülleimer zu entsorgen.

Also, lasst uns die Mülleimer dieser Welt mit dieser Botschaft bekleben! Auf dass ein jeder auf seinem Lebensweg einen solchen Mülleimer hat, um seinen Kummer loszuwerden.

Vorausschauen oder dem Leben trauen?

Sonnenschirm
Schutzschirm: Muss ich mich vor allem schützen? Oder habe ich Vertrauen?

Es mag wohl an den vielen beschämenden Kommentaren im Facebook-Auftritt meiner Lokalzeitung zu einem Artikel über Wohnungsnot der Flüchtlinge gelegen haben, dass ich heute Nacht von meiner eigenen Flucht geträumt habe. Soeben wollte ich den Eintrag und die Kommentare online noch einmal nachlesen, aber er wurde inzwischen komplett gelöscht. Anscheinend liefen die Kommentare völlig aus dem Ruder. Ich will nicht weiter auf den Artikel oder die dummen Bemerkungen eingehen. Mich haben sie gestern allerdings sehr betroffen gemacht, weshalb mein Traum auch sehr beängstigend und bedrückend war: Ich musste fliehen, konnte aber vor meiner Flucht die wichtigsten Unterlagen greifen (Zeugnisse, Versicherungen etc.). Gleichzeitig befiel mich jedoch die Panik, ich müsse doch noch dies oder jenes mitnehmen. Und es fand kein Ende. Was, bitte, ist nötig? Was hat „nur“ sentimentalen Wert? Hin und her gerissen, was ich mitnehmen sollte, könnte oder auch nicht, habe ich mich sicherlich im Bett hin- und her gewälzt. Und war froh, als endlich der Wecker ging.

Der Traum ging mir heute den ganzen Tag durch den Kopf, weshalb ich versuchen will, mir durch das Schreiben etwas Klarheit zu verschaffen. Ich lebe zum Glück in einem Land, in welchem ich nicht täglich damit rechnen muss, zu fliehen. Ich muss nicht auf gepackten Koffern sitzen. Ich muss keine Entscheidung fällen, was ich in der Not brauche und was nicht.

Gleichzeitig erinnere ich mich, dass mein Vater hinter dem Ehebett immer einen Aktenkoffer stehen hatte, mit den wichtigsten Unterlagen. So könne er jederzeit (bei Feuer, Gefahr etc.) schnell den Koffer greifen und habe damit alles Wichtige bei sich. Ein Kollege erzählte mir einmal, er habe keine Originalunterlagen zu Hause, sondern nur Kopien. Die echten Zeugnisse, Pässe und Dokumente lägen im Schließfach der Bank.

Auf der einen Seite bewundere ich solche Umsicht. Das klingt alles sehr logisch und praktisch für mich. Auf der anderen Seite frage ich mich: „Wie sehr traue ich dem Leben?“ Möchte ich täglich darauf vorbereitet sein, das Schlimmste abzuwehren? Soll ich wirklich damit rechnen, dass es zuhause brennt, mein Haus einstürzt oder ich die Flucht ergreifen muss? Oder will ich nicht lieber davon ausgehen, dass sich alles zum Guten wendet. Ein lieber Freund von mir (Pfarrer), mit dem ich über dieses Thema vor längerer Zeit ein gutes Gespräch hatte, machte mir in diesem Zusammenhang bewusst, dass ich doch dem Leben vertrauen könne. Irgendwo liegen Kopien der Zeugnisse (z. B. beim aktuellen Arbeitgeber), evtl. kann auch die Schule sie wieder ausstellen. Versicherungsunterlagen hat die Versicherung. Fotos oder Basteleien der Kinder habe ich in meiner Erinnerung, in meinem Herzen. Vieles andere kann wieder beschafft werden. Also warum solche Angst?

Die Gretchenfrage lautet also: Vorausschauend planen oder dem Leben vertrauen?
Wie haltet ihr es damit? Was würdet ihr unter keinen Umständen zurücklassen? Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Meinung dazu in den Kommentaren aufführt. Ich freue mich schon darauf.

Mein Glücksrezept

Glückliche Mandarinen
Glück durch Kleinigkeiten

Die ARD hat vom 16. bis zum 22. November die Themenwoche „Zum Glück“. Ein Thema, auf das ich sofort anspringe, weil ich der festen Meinung bin, dass jeder sein Glück selbst in der Hand hat. Im Grunde habe ich es in verschiedenen Beiträgen auf meinem Blog schon erwähnt: es ist alles eine Frage der Sichtweise.

Ja, es kann mich total glücklich machen, meine Toilette zu putzen. Hier habe ich schon mal darüber berichtet. Mein Geheimnis ist die Präsenz, die Annahme dessen, was gerade ist. Natürlich macht es keine Freude, eine ungeliebte Tätigkeit zu machen, wenn mich darüber ärgere, dass ich sie machen muss. Wenn ich denke „Ich würde jetzt viel lieber ein Buch lesen.“  Es kann aber unerwartet viel Spaß machen, wenn ich die Rahmenbedingungen ändere (tolle Musik im Hintergrund, gut riechendes Putzmittel und ein frischerer, sauberer Lappen). Es kostet mich zwar oft Überwindung, manche Tätigkeiten anzugehen. Aber wenn ich mal dabei bin, dann kann ich es genießen. Dann versuche ich nur im Moment zu bleiben und mich an dem, was ich tue, zu erfreuen. Und dann kommt es, das Glücksgefühl:-)

Zugegeben, es ist oft eine ziemliche Herausforderung. Ich sitze vor der Steuererklärung und komme mir vor, wie der letzte Idiot. Die Kunst besteht daran, dies wahrzunehmen und mir selbst Unterstützung zu holen. Ein Gläschen Sekt zu trinken (geht dann irgendwie alles einfacher *g*). Oder mir zwei/ drei Kekse bereit zu legen. Musik anzumachen. Was auch immer mir hilft, mich besser zu fühlen.

Schau dich um!

In ganz vielen Situationen sind wir nicht bei uns, sondern woanders. Und verpassen dadurch ganz viele Glücksmomente.  Es macht mich glücklich, wenn ich auf dem Weg zum Bahnhof nicht einfach nur unterwegs bin, sondern Kinder sehe, die lachend am Straßenrand spielen. Wenn ich den Duft der Bäckerei in mich aufsauge. Wenn der Zug pünktlich ist. Alles, was so viele Menschen nicht wahrnehmen oder als selbstverständlich ansehen.

Hooping  macht glücklich
Hooping macht glücklich

Und dann gibt es natürlich noch die Momente, die man sich bewusst aussucht. Weil man in ihnen einfach glücklich ist. Diese so oft wie möglich herbeizuführen, ist ein weiteres Geheimnis. Bei mir ist das z. B. Hulahoop. Das wisst ihr ja inzwischen:-) Es gibt kaum ein Hobby, das mich so sehr glücklich macht, wie mit dem Reifen zu spielen.
Neben Hooping gibt es aber noch andere Beschäftigungen. Und nein, sie liegen nicht nur in der Freizeit. Auch viele Tätigkeiten in meinem Beruf machen mich glücklich. Die Kunst ist, sie zu sehen und zu genießen.

Was macht dich glücklich?? Und wie oft machst du das? Ich freue mich auf Eure Kommentare.