Und es bewegte mich – meine Spendenwanderung für Rio

Leporello Saar-Hunsrück-Steig und Logo von Rio bewegt uns

Ende Mai 2016 war ich mit meiner Spendenwanderung für die Aktion „Rio Bewegt. Uns“ auf dem Saar-Hunsrück-Steig unterwegs (Warum und weshalb habe ich hier beschrieben). Meine Wanderung ging von Perl bis nach Trier. Los ging es am 21. Mai.

Und nun ein paar Best-of-Bilder. In der Hoffnung, euch vermitteln zu können, wie schön es war (zum Vergrößern einfach anklicken).

Es war einfach wundervoll. Tagtäglich alleine durch Wald und Wiese zu gehen, ist das beste Mittel, um den Kopf frei zu bekommen. Kein Grübeln, keine Gedanken an Arbeit, Haushalt, Kinder. Einfach nur Gehen. Staunen. Rasten. Essen. Gehen. Schauen. Gehen. Lauschen.

Zusammenfassend kann ich nur sagen:  HACH 🙂

Meine Tour setzte sich aus den folgenden Etappen zusammen:

  • Tag 1: Perl bis Hellendorf – 18,4 km
  • Tag 2: Hellendorf, Tünsdorf, Orscholz, Mettlach – 18 km
  • Tag 3: Mettlach, Britten, Bergen, Losheim – 24 km
  • Tag 4: Pause
  • Tag 5: Losheim, Scheiden, Weiskirchen – 19,2 km
  • Tag 6: Weiskirchen, Grimburg bis kurz vor Reinsfeld: 28 km
  • Tag 7: Nähe Reinsfeld, Stausee Kell, Bonerath – 16,3 km
  • Tag 8: Bonerath, Riveris Talsperre, Kasel, Trimmelter Hof, Trier – 25,2 km

In der Gesamtsumme waren es dann 149 km. Und – ich konnte es selbst nicht fassen – ich wäre am liebsten immer weiter gegangen. Weiter und weiter.

Erfahrungen

Es gab unzählige kleine Erlebnisse, die ich in mein Herz geschlossen habe. Sinneserfahrungen, die mich atemlos machten. Ehrfurcht vor dieser wundervollen Schöpfung.

Staunen über das, was mein Körper klaglos und ohne große Wehwehchen (lediglich ein blauer Zehennagel) geleistet hat.

Dankbarkeit dafür, zu wissen, wo ich abends schlafen würde (anders als all die Flüchtlinge, die wesentlich weitere Strecken als ich unterwegs sind und nicht wissen, wo sie abends landen und ob sie etwas zu Essen erhalten werden). Ich war fast den ganzen Tag allein mit mir, in der Stille des Waldes – und ich genoss es.

Es gab aber auch Momente, an denen ich zweifelte. Ob ich die restliche Strecke bewältigen würde, z. B. als der kleine Zehennagel heftig schmerzte.

Aber in solchen Momenten verglich ich meine Situation mit einer Alleinerziehenden in Rio. Vielleicht lag sie in solchen Momenten, wo mich lediglich der Schmerz in meinem Zeh quälte, schlaflos im Bett, weil sie nicht weiß, wie sie über die Runden kommen würde. Sie, diese Unbekannte, begleitete mich auf dem Wanderweg. Ihr Leben würde besser werden. Durch das von mir gesammelte Geld würde ich ihren Alltag erleichtern. Also biss ich die Zähne zusammen und ging weiter.

Und in der Tat wurde es nicht schlimmer, sondern gehörte einfach dazu. War Bestandteil meines Weges. Und am nächsten Tag (nachdem ich den Schuh an der drückenden Stelle etwas geweitet hatte), war der Schmerz auch schon vergessen.

Am 28. Mai erreichte ich glücklich Trier.

Zurück

Nun ist der Alltag wieder da und ich genieße frische Kleidung, warmes Essen,  Menschen um mich herum.

Aber da ist auch eine klitzekleine traurige Ecke in mir. Die mir jetzt gerade die Tränen in die Augen treibt. Die sich wünscht, ich wäre noch unterwegs. Alleine. In der Natur. Ohne Autolärm. Ohne Hektik. Einfach nur Gehen. Von hier nach da.

Ich wische die Tränen weg und mache weiter.

Und ja, ich muss ihn weitergehen, den Saar-Hunsrück-Steig. Sobald es Zeit und Geldbeutel zulassen, werde ich den Rest des Weges (bis Boppard) beschreiten. Und mal schauen, was danach kommt. Es gibt hier in meiner Nähe noch den Eifel- und den Moselsteig. Und überhaupt: Deutschland ist so schön. Macht euch darauf gefasst: ich werde weiter wandern.

Danke!

Und Danke! Danke an alle, die mir Mut zugesprochen haben. Die mich über Twitter, Whatsapp oder Mail motiviert haben. Die mich bewunderten oder sich um mich sorgten. Die meine Beiträge teilten oder dafür sorgten, dass ich im Radio über die Aktion berichten konnte.

Selfie von meinem Mann und mir
Die ersten fünf Kilometer wurde ich von meinem Schatz begleitet.

Danke an meinen Mann, der von Anfang an mein Vorhaben unterstützte und der sowohl die ersten fünf als auch die letzten fünf Kilometer des Weges gemeinsam mit mir ging. Ich liebe dich ❤

Und Danke an all die großzügigen Spender! Ihr wart für mich die größte Motivation. Es sind sage und schreibe 2.378 Euro (!) zusammen gekommen.

Die Namen aller Spender in einer Wolke zusammengefasst

Weiterführende Informationen

Wer mehr über das Projekt „Rio Bewegt. Uns“ wissen will, findet auf der Seite www.rio-bewegt-uns.de ausführliche Informationen.

Auch der Saar-Hunsrück-Steig präsentiert sich online ausführlich unter www.saar-hunsrueck-steig.de.

Über leere Badewannenränder, Enten und das Duschen

Badewanne mit vielen Duschmitteln - und als Vergleich ohne
Vorher – Nacher

Im vorletzten Jahre habe ich in meinem Haus ziemlich viel entrümpelt und geräumt. Der Anstoß kam durch das Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo. (Hier habe ich darüber berichtet, wie ich mich leichten Herzens von meinen Büchern trennen konnte.) Auch mein Kleiderschrank ist inzwischen aufgeräumt. Er ist so übersichtlich, dass ich keine Winter- oder Sommersachen mehr wegräumen muss, sondern alles in den Schrank passt. Dennoch: Immer mal wieder nehme ich mir das Buch erneut zur Hand und lese darin. Und entdecke doch wieder Neues.

Badezimmer

Duschmittel und Shampoo auf dem Badewannenrand
Chaos im Badezimmer

So fiel mein Blick vor kurzem auf die Ansammlung neben meiner Badewanne. Ich habe das Glück, dass rund um meine Badewanne ein komfortabler Abstellplatz für Duschmittel, Shampoo etc. vorhanden ist. Und wie das so ist – wo man ein Teil deponiert, vermehrt es sich und bringt seine Brüder mit. So war es dann auch in meinem Bad. Immer mehr Duschmittel, Spülungen, Shampoos, Kuren etc. sammelten sich fröhlich beieinander. Sei es, dass ich etwas geschenkt bekam, sei es, dass ich ein neues Produkt testen wollte … es wurden immer mehr.

Nun hat das Badezimmer die Angewohnheit, dass es dort öfter einmal feucht ist. Ein paar mal nach dem Duschen mit dem Handtuch gewedelt und schon senken sich Staub, Flusen etc. auf die beschlagenen Flaschen hernieder und kleben dann fest. Das hieß dann für mich: beim Reinigen der Badewanne musste ich nicht nur die Flaschen allesamt abräumen, um zu wischen. Nein, die Tiegel und Behälter mussten auch abgewischt werden, weil sie verstaubt waren. Im Anschluss wurden sie wieder alle schön nebeneinander aufgereiht. Bis zur nächsten Reinigungsaktion.

Konmari* auf dem Wannenrand

Badewanne mit drei Enten
Angenehme Leere

Das hat jetzt ein Ende. Alle (!) Flaschen stehen nun in meinem Badezimmerschrank. Auf dem Wannenrand räkeln sich nur noch gemütlich meine drei Badeenten. Bevor ich dusche, wähle ich bewusst aus dem Schrank aus, welches Duschmittel und welches Shampoo ich heute verwenden möchte, ob ich eine Kur in das Haar machen will oder nicht, und nehme dann das, was ich benötige, mit unter die Dusche.
Nach dem Duschen wische ich die Flaschen liebevoll trocken, bedanke mich bei ihnen und stelle sie zurück in den Schrank.

Und: Das gefällt mir! Ich blicke auf den Rand der Badewanne, der sich nun mühelos pflegen lässt. Zugegeben: die ersten zwei/drei mal stand ich nass unter der Dusche – und griff in’s Leere. Denn ich hatte vergessen, die Duschmittel und Shampoo vorher aus dem Schrank zu nehmen. Inzwischen ist aber auch das Geschichte – und ich wähle mit Liebe und bewusst aus, was ich mit zum Duschen nehme. Mit einem netten Dankeschön verschwinden sie anschließend bis zum nächsten Duschen im Schrank – und die Enten schwimmen glücklich auf dem leeren weißen Wannenrand.

*Konmari nennt Marie Kondo ihre Art des Ordnunghaltens. Nachzulesen im Buch „Magic Cleaning“

Weg mit dem Muttizettel

Gut gelauntes Baby
Gut gelaunt

Heute ist es soweit. Das jüngste meiner zwei Kinder wird 18 Jahre alt.  „Fucking unfassbar“ würde Rea Garvey sagen. Ich muss schlucken vor Rührung. Und bin gleichzeitig stolz.

Vor 18 Jahren kamst du, lieber J., als mein zweites Kind zur Welt. Du warst von Anfang an ein „Strahlemann“. Stets gut gelaunt, lächeltest du schon aus dem Kinderwagen jeden Menschen an. Deinem Lächeln konnte damals niemand widerstehen. Und durch dich durfte ich erleben, wie schön es ist, zu knuddeln und zu herzen. Du warst mein Knuddelkind. Es war soooo schön.

Du warst selten aus der Ruhe zu bringen. Solltest du beim Krabbeln oder Laufen mal irgendwo angestoßen sein, fiel dein Blick kurz auf uns und weiter gings. So gut wie nie Tränen. „Der Volvo unter den Kindern“, so nannte dich deshalb dein Opa. Unkaputtbar sozusagen. Krankheiten kanntest du nicht, abgesehen von Windpocken.

Ob es an deinem Sternzeichen liegt oder nicht: Von Anfang an hattest du einen dicken Kopf. Du wusstest schon sehr früh, was du wolltest – bzw. vor allem, was du nicht wolltest. Kein Unterhemd! Kein Käse! Nix Neues probieren. Da half kein Betteln, Bestechen, Drohen. Du warst selten von etwas anderem zu überzeugen.

Meine Vorstellung, Mädchen wären in Kleiderfragen komplizierter, warfst du eindeutig über den Haufen. Keiner wusste so genau, was er anziehen will und was nicht, wie du. Du hattest das Glück, in mir eine sehr tolerante Mutter zu haben, die dir sehr früh die Entscheidung bezüglich Klamotten und Essen übertragen hat – und ich finde, wir sind sehr gut damit gefahren. Du wirst dich Z.B. sicherlich auch in Zukunft an das morgendliche Frage- und Antwortspiel erinnern. „Soll ich eine Jacke anziehen?“ – „Ich finde es kalt und würde eine anziehen, aber wie ich dich kenne, brauchst du keine.“ 🙂 Genau so war es dann auch. Ich zog mit dicker Jacke los, während du lediglich im Pulli (und ohne anschließende Erkältung) durch die Gegend liefst.

Wie auch deine Schwester, musstest du sehr früh schon eine Brille tragen. Dieser Umstand führte wohl dazu, dass ich heute bei jedem kleinen Jungen mit Brille, der mir über den Weg läuft, ein Sehnen in meiner Brust verspüre. Nach euch als kleine Kinder, eurer Unbeschwertheit, eurer Kindheit. Es ist schon soo lange her.

Wann war der Wechsel, dass deine Pullis, Strümpfe, Unterwäsche nicht mehr die kleinsten waren? Du bist inzwischen größer als ich, fährst Motorrad und hast gestern das erste mal gewählt. Heute musst du nicht mich fragen, um an irgendetwas dran zu kommen, sondern ich frage dich, ob du mir von oben etwas herunter reichen kannst.

Die letzte Unterschrift auf dem Muttizettel ist geschrieben. Ab sofort kannst du endlos in die Disco gehen, ohne dass der Muttizettel dir die Erlaubnis gibt, nach 0:00 Uhr weiter zu feiern. Wie gut, dass ich mich auch weiterhin auf dich verlassen kann.

Noch gehst du zur Schule und wirst eine Zeitlang bei uns wohnen. Wohin dein Weg dich führen wird, weißt du noch nicht – aber sicherlich irgendwann weg von zu Hause. Deshalb genieße ich es jetzt noch, dich um mich zu haben, auch wenn solche Momente – zugegebenermaßen – inzwischen selten sind. 18jährige verbringen halt nicht viel Zeit mit ihren Eltern 🙂

Von Herzen gratuliere ich dir zur Volljährigkeit mein Sohn. Mögest du dein sonniges Wesen immer bewahren.