Ohne Kaffee? Geht nicht! Geht doch!

viele Kaffeetassen im Schrank
Viele Kaffeetassen blieben unbenutzt im Schrank.

Gleich ist er vorbei, der kaffeefreie November. In wenigen Stunden beginnt der Dezember – und ich könnte morgen früh nach dem Aufwachen als erstes eine Tasse Kaffee trinken. Aber möchte ich das überhaupt? Wird er mir schmecken? Fangen wir von vorne an.

Kaffeefasten

Manche halten mich für verrückt, aber ich suche mir gerne immer mal wieder Herausforderungen. Die Komfortzone verlassen. Alternativen für Festgefahrenes testen. Verzicht üben. Nach Twitterfasten im Oktober, hatte ich mir für den November Kaffeefasten ausgedacht.

Ich bin kein Kaffeejunkie. Aber Kaffee gehört täglich zu meinem Leben. Als erstes morgens im Büro, während der Rechner hochfährt, ich die Jacke ablege und mein Essen im Kühlschrank verstaue, gurgelt schon die erste Tasse Kaffee in unserer Abteilung durch die Maschine: die für mich. Die Mails vom Vorabend checkend, genieße ich die Wärme und den Duft des Kaffees.
Eine zweite Tasse folgt dann in der Regel in der Kaffeepause; sie heißt ja auch schließlich so 🙂

Das sind die zwei Tassen, die ich täglich trinke. Gelegentlich noch eine am Nachmittag, wenn das Nachmittagsloch mit Müdigkeit droht. Mehr Kaffee trinke ich nicht. Sollte ich also locker schaffen. Dachte ich. Doch der Beginn gestaltete sich schwieriger, als ich dachte.

Kopfschmerzen, Müdigkeit, Grippesymptome

Die ersten zwei Wochen waren einfach nur furchtbar. Ich hatte täglich ab nachmittags fürchterliche Kopfschmerzen. Am Vormittag (eigentlich ja die Zeit, in der ich für gewöhnlich den Kaffee trinke) kam ich prima über die Runden. Aber gegen 14 oder 15 Uhr ging es los. Der Kopf brummte. Ich fühlte mich schlapp. Das verstärkte sich zum Abend hin so sehr, dass ich in den ersten zwei Wochen immer recht früh schlafen ging. Am dritten und vierten Tag hatte ich (für jeweils ca. eine halbe Stunde) sogar leichte Grippesymptome: zur den Kopfschmerzen kam eine laufende Nase und Gliederschmerzen. Mir war sterbendselend. Wohlbemerkt: nur ca. eine halbe Stunde. Danach war der Spuk vorbei. Nur die abendlichen Kopfschmerzen blieben.

Nach gut zwei Wochen war die Schmerzen endlich weg. Ich war wieder ein Mensch. Fühlte mich nicht mehr so elend. Hatte ich mir zu Beginn morgens eine Tasse schwarzen Tee gekocht (weil ich das Bedürfnis nach etwas Heißem, Koffeinhaltigem hatte) konnte ich schon nach kurzer Zeit auf Kräutertee umschwenken – um dann irgendwann bei Wasser zu landen.
Ja, doch, auch Wasser macht munter. Und lässt sich am frühen Morgen genießen.

Und stand ich am Anfang noch schnuppernd vor der gerade benutzten Kaffeemaschine, nehme ich den Geruch nach Kaffee inzwischen nicht stärker war, als andere Gerüche. Nicht mehr so emotionsgebunden.

Belohnung?

Aufgefallen ist mir, wie sehr das „ich koche mir jetzt eine Tasse Kaffee“ eine Belohnung für mich darstellt. „Noch schnell die Badezimmer wischen, danach setze ich mich in die Küche und koche mir einen Kaffee“. „Gleich sind wir vom Spaziergang zurück, dann gönne ich mir einen Kaffee“…

Irgendwann in meinem Leben wurde Kaffeetrinken zur Belohnung für mich. Könnte sein, dass es mit diesen „Kaffee schnell auf Knopfdruck-Maschinen“ zusammen hängt. Ich habe übrigens versucht, den Kaffee in diesem Fall mit Tee zu ersetzen, das funktioniert jedoch nicht. Tee braucht viel zu lange zwischen Kochen und „jetzt verbrennt man sich nicht mehr die Lippen“, bis man ihn genießen kann. Und der Test, den Tee mit der super teuren Kaffeemaschine zu kochen (die auch heißes Wasser ausgibt), scheiterte, weil das Ergebnis zwar recht schnell trinkbar war, aber schlicht und einfach nicht schmeckte. Für guten Tee braucht man fast immer kochendes Wasser.

Zwei mal griff ich in meiner „Belohnungsnot“ dann auch zu heißem Milchschaum, den unsere Kaffeemaschine auch anbietet. Aber Milch ist für mich kein Getränk, es macht mich zu sehr satt.

Und nun?

Diese Frage geht mir jetzt schon die ganze Zeit durch den Kopf. Eigentlich habe ich fast Angst, wieder Kaffee zu trinken. Bedenken, er könne mir nicht schmecken. (So geht es mir nämlich derzeit mit Alkohol. Nach vier Wochen Alkoholverzicht im Oktober, versuchte ich im November zwei Mal erfolglos, etwas Wein zu trinken. Beide male schmeckte er mir einfach nicht. Also bleibe ich im Moment einfach weiter alkoholfrei.) Was also tun, wenn mir der Kaffee nicht schmeckt?

Ich überlege auch, ob diese Entzugserscheinungen (ich weiß gar nicht, ob es welche waren, aber es kam mir so vor) nicht ein Zeichen dafür sind, dass der Kaffee nicht so gut für mich ist. Ihr wisst ja: Säure-Basen-Haushalt und so. Da wird Kaffee schlecht bewertet, weil er den Körper übersäuern soll.

Ihr seht: ich bin unentschlossen. Ich persönlich glaube nicht, dass ich morgen schon welchen trinken werde. Ich werde warten, bis ich irgendwann in den nächsten Tagen Lust darauf habe. Und zwar nicht Lust auf Belohnung, sondern Lust auf einen Kaffee. Und dann gönne ich ihn mir. Denke ich 🙂

Nachtrag: Januar 2017

Und es kam, wie ich befürchtet hatte: Kaffee schmeckt mir nicht mehr. Ich glaube, seit 1. Dezember (also seit 6 Wochen) habe ich maximal sieben Tassen Kaffee getrunken, von denen ich auch noch mindestens drei direkt wieder in den Ausguss beförderte.
Das Erstaunliche: es stört mich nicht im geringsten. Ich genieße mein Wasser und habe meinen Kräuterteevorrat aufgestockt, um Tees mit den wundervollen Namen wie „Für Frühaufsteher“, „Kräuterhexchens Liebster“ oder „Gut’s Nächtle“.

Ich denke nicht, dass ich Kaffee völlig entsage. Wenn mich die Lust auf Kaffee packt, werde ich ihr nachgeben. Auch auf die Gefahr hin, dass die Tasse evtl. doch nicht getrunken wird, weil sie mir nicht schmeckt. Aber fest steht: Tee wird sicher noch lange Zeit mein treuer Begleiter bleiben.

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2 Gedanken zu “Ohne Kaffee? Geht nicht! Geht doch!

  1. Hallo Margit!
    Danke für deinen tollen Bericht über Kaffee… Du schreibst sehr schön und ich freue mich immer wieder, etwas über deine Vorhaben zu lesen…
    Einen schönen Tag, ich mach mir jetzt mal einen Kaffee, meine Tasse heisses Wasser hab ich schon hinter mir😉😉😉
    Dir und allen Mitlesern einen schönen Tag und liebe Grüße
    Marion

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