Mein Monat ohne Twitter

Heute ist der 1. November. Nun ist er vorbei, der twitterfreie Oktober. Gleich werde ich Twitter wieder auf meinem Handy installieren und mal schauen, wer dort auf mich wartet. Ich freu‘ mich schon darauf. Aber noch zögere ich es etwas hinaus.

Wer mich kennt, weiß, dass ich Herausforderungen liebe. Ich baue in meinem Alltag immer mal wieder bewusst Verzicht ein. Sei es durch mein Intervallfasten oder temporären Kaffee-, Süßigkeiten- oder auch Fernsehverzicht, wie in meiner 12-Wochen-Challenge im Jahr 2013.

Weil ich immer wieder gefragt wurde, warum ich das mache bzw. was es mir bringt, hier meine Antworten.

Warum verzichtest du einen Monat auf Twitter?

Zeichnung mit der Komfortzone, darum magische Sterne
Raus aus der Komfortzone – entdecke die Magie

Diese Grafik zeigt mit einfachen Worten, warum ich das mache. Wie so viele andere auch, bewege ich mich gerne in meiner Komfortzone. Dort fühle ich mich sicher und geborgen. Ich habe dort das Gefühl, geschützt vor Unerwartetem zu sein (was, nebenbei gesagt, natürlich eine Illusion ist).

Aber, so bequem es auch ist: ich sehe nicht, was da Draußen ist. Das es dort eventuell auch Magisches gibt, Bezauberndes, Aufregendes. Das kann ich nur herausfinden, indem ich diese Zone verlasse. Sei es durch eine Pilgerwanderung oder auch durch Verzicht auf Liebgewonnenes. Wie in diesem Fall Twitter und all die lieben Menschen, mit denen ich dort in Kontakt stehe.

Wie war der Anfang?

Die erste Woche war insofern nicht schwer, weil ich mit meinem Mann auf Urlaubsreise war und ich bewusst mein Handy daheim gelassen hatte. Ich kam also gar nicht erst in Versuchung, etwas zu twittern.
Aber dann kam der Alltag. Und ich merkte auf einmal, dass Twitter für mich (leider) ein viel zu intensives Ablenkungsmittel ist. Ob Wartezeit beim Arzt, Mittagspause, vor dem Fernsehen – wie oft hatte ich vorher zum Handy gegriffen um mich abzulenken. Da war auf einmal viel Freiraum.

Wie bist du mit der neuen Freizeit umgegangen?

Ich habe das Lesen wieder entdeckt. Hatte ich in den letzten Jahren mein Buch nur noch auf dem Nachttisch liegen, um 10 bis 15 Minuten vor dem Einschlafen zu lesen, war mir das auf einmal zu wenig. Ich fing wieder an, tagsüber zu lesen.

Die Wetter-App wurde ständig geöffnet. Das klingt jetzt ganz besonders albern, aber mir fehlte der Griff zum Handy. Beziehungsweise: ich griff weiterhin so oft zum Handy wie bisher, aber ich hatte nichts, mit dem ich mich ablenken konnte. Also öffnete ich zig mal am Tag die Wetter-App, um zu sehen, ob und wann der Regen kommt, wie die Wolken ziehen oder wie das Wetter am Wochenende wird.

Ich intensivierte meine Whats-App-Kontakte mit Freunden und der Familie. Denn der wahre Entzug von Twitter waren nicht die fehlenden News (die erhielt ich ja auch über Radio/ Zeitung), sondern der Austausch mit lieben Menschen.
Zum Glück hatte ich auch über Threema/Signal zu ganz besonderen Followern (Twitter-Freunden) weiterhin Kontakt. Danke für Euer Dasein  ❤

Was war noch anders?

Mir fällt auf, dass ich kaum Fotos in dieser Zeit machte. Weil: wem sollte ich sie zeigen? Gelegentlich schickte ich der Familie ein Bild per Whatsapp, aber das ist nicht vergleichbar.

Meine Familie hingegen genoss es sehr, dass ich nicht jeden Abend das Essen fotografierte, bevor wir mit der Abendmahlzeit begannen. (Ich muss erklärend dazu sagen, dass ich in der Woche mehrere neue Gerichte koche und diese liebend gern – wenn sie denn gelungen sind – auf Twitter teile).
Kleine Anekdote am Rande: Mein Mann stellte zu Beginn des Urlaubs (ich war ja handylos) klar: „Und glaub‘ bloß nicht, dass ich für dich Essen fotografiere“  🙂

Um von den News nicht ganz abgehängt zu sein, besuchte ich regelmäßig verschiedene Nachrichtenseiten. Anstatt dass die Nachrichten also ungefragt (per Timeline) zu mir kamen, suchte ich mir bewusst Zeit und Quelle aus, um mich zu informieren.

Ziemlich deutlich fiel mir allerdings auf, wie oft Menschen im gemeinsamen Beisammensein ihr Handy in die Hand nehmen. Da ich kaum einen Grund sah, zum Handy zu greifen (was übrigens den Effekt hatte, dass das Handy abends noch zu 3/4 geladen war) nahm ich viel deutlicher war, wie sehr wir uns alle ständig ablenken lassen. Den gemeinsamen Kreis „verlassen“ und in eine Parallelwelt abtauchen. Ich kam mir manchmal vor wie ein Antialkoholiker unter Alkoholikern. Du bist irgendwie „draußen“.

Welche Konsequenz ziehst du aus diesem Monat?

Als erstes werde ich wohl meinen Twitterkanal entrümpeln. Ich brauche nicht mehr zig Nachrichtenkanälen zu folgen. Neuigkeiten erreichen mich auch auf anderen Wegen. Oder auch nicht. Und das ist dann auch gut so.

Auch den Rest meiner Timeline werde ich einer „tust du mir gut? habe ich dich vermisst?“-Begutachtung unterziehen. Denn ganz ehrlich: zur Berieselung ist mir meine Zeit zu schade.

Essen werde ich weiterhin fotografieren und teilen. Ich liebe die kulinarische Inspiration der Menschen auf Twitter und möchte auch gerne andere motivieren, selbst mehr zum Kochlöffel zu greifen.

Dann ist da doch die Frage des Maßhaltens. Ich liebe Twitter wegen der Kommunikation mit wundervollen Menschen. Aber ich mag es nicht, weil es meine Zeit frisst. Ich will also für mich einen Weg finden, Twitter weiterhin zu nutzen, es mir aber nicht zu oft und sehr in dieser Komfortecke gemütlich zu machen. Ich habe da noch keinen Plan. Ich denke (und hoffe) das es sich entwickeln wird.

So, und nun überlege ich, ob ich den Blogbeitrag direkt auf Twitter teile, oder ob ich nicht noch etwas warte. Denn ich saß jetzt wirklich lange genug vor dem Rechner. Ich glaube, ich warte noch etwas  🙂

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9 Gedanken zu “Mein Monat ohne Twitter

  1. Schön geschrieben und bei mir ist der Verzicht ja eher unfreiwillig, doch tut auch ganz gut. Bis hoffentlich bald auf Twitter👋 Herzlichen Gruß von Anke

      1. Lieben Dank😀 Leider macht ja mittlerweile die Gesundheit immer weniger mit. Seit gestern Magen und Darm und das wird wohl nicht ohne stat. Aufenthalt gehen… Nicht, dass ich mir wieder Nierenversagen „bastele“😱 Aber ich vermisse Twitter schon arg😳 Herzlichen Gruss🌹👋🌹

  2. Liebe Margit,

    danke für diesen offenen Blogpost und dass du so schonungslos ehrlich bist. Ich erkenne mich (leider) in so vielem wieder, nur leider nicht in deinem Mut immer wieder solche Herausforderungen anzunehmen.
    Toll, was du alles so machst.
    Ich wünsche dir eine gute Zeit

    Andrea

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