Flash-Back in die Studienzeit

Grau/rosa Geschirr mit Nudeln darauf
Das erste eigene Geschirr – rosa/grau

Kennt ihr das? Ihr seht, hört, riecht etwas … und seid sofort in einer anderen Zeit.

Mir geht es so, wenn ich mein Studentengeschirr sehe. Ich habe noch einen Teller von damals übrig, den ich auf der Arbeit in der Küche deponiert habe. Gelegentlich kommt es also vor, dass er mir in die Hände fällt. Sofort bin ich in meiner ersten eigenen Wohnung. Ich rieche den leichten Kellergeruch (es war eine ziemlich feuchte Souterrain-Wohnung). Ich spüre das Alleine-Sein. Nach Jahren in einer 4köpfigen Familie zum ersten mal alleine schlafen. Alleine essen. Alleine Fernsehen. Ich bin mein eigener Herr. Ich kann essen, was ich will. Ich kann Musik so lange und so laut hören, wie ich möchte. Ich bestimme über das Fernsehprogramm.

Ich fühle mich unheimlich erwachsen und gleichzeitig beängstigend frei. Keiner, der kontrolliert, ob ich pünktlich zu Bett gehe. Ich kann die Nacht zum Tag machen.
Niemand, der mich anpflaumt. Niemand zum Reden. Da die Wohnung zu Beginn kein Telefon hat, kann ich auch nicht spontan jemanden anrufen. Will ich reden, muss ich Jacke und Schuhe anziehen und zur nächsten Telefonzelle laufen – in der Hoffnung, dass der gewünschte Gesprächspartner erreichbar ist.

Ich sitze gedanklich auf der ausgemusterten Eckbank der Eltern in meiner eigenen kleinen 11 qm Küche. Es geht mir gut. Oder manchmal auch nicht. Zum Glück bin ich durch das Studium abgelenkt. Komme raus, unter Leute. Muss lernen. Bin beschäftigt. Schlafe bis in die Puppen. Dekoriere für die Adventszeit. Koche mir stolz irgendwas Gesundes, um es nach wenigen Bissen beiseite zu schieben und nach den Keksen zu greifen. Experimentiere mit ewig-aufbleiben. Mit Vorlesungen schwänzen. Mit der Waschmaschine. Schreibe Liebesbriefe an meine erste große Liebe, bekomme nach Tagen Antwort per Post.

Sperre mich einmal versehentlich aus und kann zum Glück über das gekippte Holzfenster in die eigene Wohnung wieder einbrechen. Fange  mithilfe eines Eimers mutig eine Maus, die sich in die Kellerwohnung verirrt hat. Gönne mir einen Telefonanschluss. Kaufe mir meine erste Zimmerpflanze (die ich übrigens heute noch besitze).

Der Teller ist leer. Ich bin gar keine Studentin mehr. Ich sitze im Büro. Die Mittagspause ist um. Das war ein schöner Ausflug.

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