Nimm 40 – zahle 14. Von der Fülle der Zeit wenn man offline ist

Blick in mein neues ZImmer
Mein Rückzugsort – Panoramablick in mein neues Zimmer

Nach vier Wochen Digital Sabbat am Wochenende liegt es mir auf der Seele, die ersten Erfahrungen aufzuschreiben (Für alle, die nicht wissen, worum es geht: jeden Freitagabend gehe ich mit allen digitalen Geräten für 24 Stunden offline.)

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich kann es euch von Herzen empfehlen. Es tut nicht nur weniger weh als ich dachte, sondern bringt mir unendlich viel Zeit und neue oder wiedergewonnene Erfahrungen. Deshalb auch die Überschrift: Nimm 40 – zahle 14. Die 24 Stunden Blackscreen (abzüglich 10 Stunden Schlaf) kommen mir vor, wie gelebte 40. Nicht im negativen Sinne dass die Zeit nicht rumginge, sondern als gelebte, erfahrene Zeit.

Was mir gefällt

Wieder entdeckte Hobbys

Früher habe ich mit Vorliebe gepuzzelt. Irgendwie ging dies aber über die Jahre verloren. Nun kann ich mich in meinem Zimmer ausbreiten und bei schöner Musik (oder auch Hörspiel – auch das habe ich wieder entdeckt) ein Puzzle nach dem anderen machen.

Auch die Querflöte oder Gitarre werden aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt.

Ich bin mehr bei mir

Habe ich mir in den letzten Jahren angewöhnt, Musik nur als Hintergrundberieselung laufen zu lassen (z. B. habe ich oft das Handy währenddessen in der Hand) kann ich statt dessen nun einfach auf dem Sofa sitzen und der wundervollen Musik lauschen. Ich höre sie bewusster.

Zum Beispiel auch das Walken erlebe ich intensiver. Keine Anfeuerungen von Runtastic, kein Foto des wundervollen Sonnenaufgangs, dem ich entgegenlaufe, machen. Einfach nur genießen. Die Natur und mich.

Ich bin auch im Laufe des Tages nicht mit halbem Ohr beim Handy, um zu hören, ob ich eine SMS, Mail etc. verpasst habe. Kurz: ich bin mehr bei mir.

Kreativität

Dieses „bei mir sein“ weckt Kreativität. So habe ich schon die Choreographie für (das noch zu erstellende) Hulahoop-Workout-Tutorial niedergeschrieben.

Aufgeräumt

Ich bin jemand, der den Schreibtisch zuhause gerne als Ablage zweckentfremdet. Das führt in der Regel dazu, dass ich mich ca. alle drei Monate dazu zwingen muss, Rechnungen abzuheften, Schmuck wegzuräumen, Fotos abzulegen und und und. Nicht jedoch, seitdem ich den Ditigal Sabbat pflege. Ich habe dann 24 Stunden so richtig Zeit. Und ruckzuck, ehe ich mich versehe, sind die Unterlagen und sonstigen Dinge, die sich im Laufe der Woche dort angesammelt haben, weggeräumt, abgeheftet, repariert … Und das schöne ist: es macht auch noch Spaß. Der Vorteil: ich habe Platz zum Puzzeln.

Diese Freude am Aufräumen/ Erledigen zieht sich dann noch durch die gesamte Wohnung, so dass die Bügelwäsche mit Liebe erledigt ist (ohne wie sonst den TV dabei laufen zu lassen), die Hotspots in der Küche (Ablageflächen, die magisch Papiere, Haarspangen, Medikamente etc. anziehen) aufgelöst sind, das Waschbecken gewienert. Das klingt jetzt so, als wäre ich die ganze Zeit nur am Rödeln. Das ist zum Glück nicht der Fall. Ich achte auf Mußestunden und Nichts-Tun.

Telefon

Gestern wollte ich meine Tochter zum Sonntagsessen einladen und konnte ihr in Whatsapp keine Nachricht schreiben. Was mich zuerst frustrierte, änderte sich schnell, als mir – nicht lachen – einfiel, dass ich sie ja über Festnetz persönlich sprechen konnte. Es ist tatsächlich so: viel Kommunikation läuft über Mail oder Whatsapp, so dass ich die anderen Möglichkeiten (wie das gute alte Telefon) gar nicht mehr auf dem Schirm habe. (Gutes Wortspiel, denn der BildSCHIRM ist ja aus *g*)

Zeitgewinn

Die letzten Wochen haben mir gezeigt, wieviel Zeit das Internet frisst. Sei es Whatsapp, Twitter, Facebook, Surfen … Ich habe auf einmal gefühlt „unendlich“ Zeit.

Energiesparen

Ich habe gelesen, dass jede Google-Suchanfrage soviel Energie kostet, wie eine Energiesparbirne in einer Stunde verbraucht. Da ich in diesen 24 Stunden nichts suchen kann, und in der Regel bis Samstagabend vergessen habe, was ich eigentlich nachschauen wollte, spare ich Strom.

Was mir nicht gefällt

Kritik

Den Freitagabend muss ich in der Regel alleine verbringen, weil mein Mann partout nicht auf den Fernseher verzichten will. Zum Glück habe ich ja – dank meines eigenen, gemütlichen Zimmers – nun eine Rückzugsmöglichkeit. Aber den Unmut (das versteckte Grummeln) meines Partners bekomme ich natürlich doch mit. Und es nicht einfach für mich, kein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Musikmangel

Ich stelle fest, dass ich die meiste Musik nur digital und nicht auf CD habe. Aus dem „Nachteil“ wird aber plötzlich ein Vorteil, weil ich in meinen alten CDs krame und Musik laufen lasse, die ich jahrelang nicht mehr gehört habe.

Ausgeschlossen

Blöd sind Situationen, in denen z. B. Mann und Sohn nach dem Essen zum Handy greifen und spielen/ surfen/ … während ich noch am Tisch sitze und mir etwas ausgeschlossen vorkomme. Da kommt es dann auch schon mal vor, dass mir einer von beiden sein Handy in die Hand drückt: „Kuck mal ….“ und schon habe ich doch auf das Handy geschaut.

Schreibmaschine

Wenn ich am Schreibtisch sitze und meine Ablage mache, fällt so manche Korrespondenz an, die ich dann eigentlich gerne erledigt hätte: ein Schreiben an die Krankenkasse, Erstellen einer Ordnerübersicht … Dafür bräuchte ich jetzt die Textverarbeitung im Computer. Das muss dann halt warten.

Zusammenfassung

Dennoch überwiegen die positiven Effekte. Ich habe sicherlich noch viele schöne und intensive Erlebnisse, die mir gerade im Moment nicht einfallen, in diesen 24 Stunden erlebt. Natürlich würde ich nicht so weit gehen, Handy, Computer und TV für immer zu verbannen. Aber 24 Stunden in der Woche gehört die Welt mir – ohne ihre Anwesenheit. Ich freue mich schon auf den nächsten Digital Sabbat. In meinem Kopf sprudeln Ideen, was ich alles machen könnte.

Na? Noch keine Lust auch mitzumachen? 🙂

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5 Gedanken zu “Nimm 40 – zahle 14. Von der Fülle der Zeit wenn man offline ist

    1. Du hast vollkommen recht. Mangels Schallplatten und Cassettenrekorder musste ich allerdings zur guten „alten“ CD greifen 🙂

  1. Liebe Margit,

    ich verfolge diese Idee ja schon länger bei dir und dein heutiger Beitrag hat jetzt den Ausschlag gegeben. Auch ich werde das für mich testen, eine digitalfreie Zone einzuführen.

    Hab dann überlegt, wie ich das für mich in mein Leben integrieren kann und dabei ist jetzt folgender Plan rausgekommen:

    Jeden Montag gibt es jetzt eine digitalfreie Zone bis 13 Uhr. In dieser Zeit werde ich Neues mit den Händen schaffen, schreiben, handarbeiten und genauso Dinge loslassen und nach und nach den Keller räumen und weitere Ecken des Hauses.

    Tausend Dank an dich, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! Hast mich echt angefixt 🙂

    Liebe Grüße,
    Alexandra

    PS:
    und dein Mann soll echt froh sein, dass er mit dir verheiratet ist, bei mir hätte er gar keinen Fernseher 😀

    1. hihi, Alexandra, dein PS finde ich klasse. Werde ich meinem Mann direkt mal stecken 🙂

      Freue mich, dass ich dich anstecken konnte und bin gespannt auf deine Erfahrungen.

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