Bücher ade – Scheiden tut nicht weh

Karl May Bände im Regal
Leb wohl Old Shatterhand – du Held meiner Jugend

Wenn du auch eine Leseratte bist, wirst du sicherlich viele Bücher um dich herum angesammelt haben. Da kommt mit den Jahren ganz schön was zusammen, vor allem, wenn man früh anfängt, so wie ich. Schon als Kind hatte ich Leseverbot, weil ich sonst meine Nase nicht aus dem Buch heben wollte. Für eine Stunde Hausaufgaben durfte ich eine Stunde lesen 🙂

Bücher wegzugeben, zu verschenken oder gar wegzuwerfen wäre mir früher unmöglich gewesen, das kam einer Todsünde gleich. Ich liebte Bücherregale, die von oben bis unten gefüllt mit (gelesenen!) Büchern meine Räume füllten. Mit jedem Umzug wurden die Heiligtümer in Kisten gepackt und in der neuen Wohnung nach Themen sortiert im Regal fein säuberlich nebeneinander aufgereiht.

So zwischendurch wurde zwar schon mal ausgemistet, aber nur halbherzig und ohne es wirklich zu hinterfragen.

Ein Befreiungsschlag

Bis mir letzte Woche das Buch „Magic Cleaning“ in die Hände fiel. Ein blöder Titel für eine fantastische Lektüre. Wenn du es gelesen hast, wird dich die unbändige Lust packen, deine Wohnung, dein Haus zu befreien. Platz zu schaffen. Luft reinzulassen.

Um es kurz zusammenzufassen: Marie Kondo (Aufräumexpertin) empfiehlt, nach Kategorien auszumisten. Zuerst die Kleidung, dann die Bücher, dann Ordner/ Unterlagen …. Da bei mir ein Mini-Umzug anstand, beschloss ich einfach, dennoch mit den Büchern anzufangen. (Hintergrund: da meine Älteste ausgezogen war, hatte ich nun ein eigenes Zimmer, welches ich luftig und leicht einrichten wollte). Die Vorgehensweise ist immer gleich: alle Artikel einer Kategorie werden zuerst an einer Stelle zusammengetragen. Also los und alle Bücher einsammeln. Könnt ihr euch vorstellen, wie groß der Bücherhaufen war? 🙂
Dann wird jedes, aber auch jedes Buch einzeln in die Hand genommen und man hält Zwiesprache mit sich selbst oder dem Buch. Und die Frage lautet immer: Machst du mich glücklich?
Wenn ja: wird das Buch behalten.
Wenn nein: weg damit (wer möchte, kann sich vor dem Weglegen natürlich noch bei dem Buch bedanken *g*).

Der Sinn und Zweck des Buches ist bereits erfüllt

Was auf den ersten Blick albern klingt, funktioniert tatsächlich. Es gab Bücher, die mich sofort zum Schmunzeln brachten oder die mein Herz erwärmten – und es gab viele, viele Bücher, die dies nicht taten.

Früher plagte mich das schlechte Gewissen, wenn ich z. B. für ein Buch 20 Euro ausgegeben, aber es gar nicht oder nur angelesen hatte. Wie hätte ich das wegwerfen können? Marie Kondo öffnete mir hier die Augen: In dem Augenblick, in dem ich damals das Buch erwarb, hatte es schon seinen Zweck erfüllt. Das Kaufen, Durchblättern, InsRegalstellen war schon die Befriedigung.
Denn ganz ehrlich: ein Buch, welches schon seit einem Jahr oder länger im Bücherregal steht und immer noch nicht gelesen war, würde ich mit ziemlich großer Sicherheit auch in den nächsten zwei Jahren nicht lesen.
Und dazu kommt: es macht mich (wenn ich ehrlich bin) nicht glücklich, so viele Bücher im Regal stehen zu sehen, die mir ständig zuflüstern: „Du hast mich gekauft, also lies mich auch endlich“.

Starke Männer und Frauen

Und da gab es die Bücher, die ich sehr schätzte, die ich ein, zwei oder sogar dreimal gelesen hatte. Aber auch sie standen seit Jahren im Regal und ich gestehe: auch sie würde ich in den nächsten Jahren nicht mehr lesen. So zum Beispiel meine Karl-May-Buchsammlung. Das waren die ersten Bücher, die ich in die Hände nahm.
Was hatte ich diese Bücher in meiner Jugend verschlungen. Ich habe Winnetou und Old Shatterhand geliebt. Und ich erinnerte mich, dass ich vor kurzem eines der Bücher in der Hand hatte und feststellen musste, dass es nicht mehr so einfach zu lesen war. Die Sprache ist eine andere, die Philiosophie dahinter entspricht nicht mehr dem heutigen Zeitgeist. Ein Telefonat mit meinem Schwager gab mir dann Gewissheit. Obwohl ich es nicht ansprach, lautete seine Aussage genauso: „Irgendwie liest man das heute nicht mehr“. Und als dann noch mein Ex-Mann bereit war, die Bücher aufzunehmen, war der Bann gebrochen: und weg waren sie. Noch am selben Tag.

Eine weitere „Regel“ aus dem Buch ist übrigens: Zeige deinen Verwandten nie, was du aussortiert hast. Ein wahres Wort!!

Da waren die Romane von starken Frauen (die Ayla-Saga z. B.). Mehrfach gelesen, aber seit Jahren nicht mehr in den Händen gehalten.

Dann gab es da noch Nachschlagewerke, Gartenbücher etc. Wann hatte ich sie das letzte Mal dort etwas nachgeschlagen? Wenn ich heute etwas wissen will, frage ich bei Twitter oder Facebook oder googel. Seien es Gartentipps, Krankheiten oder Kochrezepte. Ich habe 24 Stunden am Tag eine riesige Bibliothek in meinem Handy oder Laptop. Wieso soll ich mir die Wohnung dann so zustellen?

Es macht mich glücklich

Mein Mann lag am Boden vor Lachen, als ich ihm sagte, ich hätte mein Kommunionvorbereitungsbuch aussortiert. „Was?“, prustete er, „sowas hast du noch aufgehoben?“ Es gab wirklich viele solcher Bücher/ Hefte, die mich ungefragt die letzten 30 Jahre begleiteten. Und die nun verdient in den Ruhestand gehen durften.

Mein übersichtliches Bücherregal
Mein übersichtliches Bücherregal

Und das allerschönste ist: es macht Spaß. Es macht mich glücklich. Ich umgebe mich nur mit Büchern (der Rest der Entrümplung folgt in den kommenden Wochen), die mich allesamt glücklich machen.

Ich habe @indivisuell davon berichtet, die sich ad hoc anstecken ließ und nun genauso im Entrümplungsfieber ist. Sie fragte mich, welche Bücher in denn behalten hätte. Es sind ganz unterschiedliche. Es sind jene, die mich glücklich machen. So z. B. das erste Buch (in Schreibschrift), welches ich zur Einschulung bekam. Ken Wilber: „Mut und Gnade“. Byron Katie: „Lieben was ist“. Eckhart Tolle „Jetzt“. Matthieu Ricard: „Glück“, Märchenbücher (ich hoffe ja irgendwann auf Enkel), ein Patiencebuch …
Insgesamt sind es ca. 50 Bücher, die mir geblieben sind.
Wobei mir gestern aufgefallen ist, dass ich die Kochbücher vergessen habe. Da muss ich nochmal ran 🙂

Wohin damit?

Und immer, wenn ich jemandem davon erzählte, lautete die Frage „Und wohin gibst du die Bücher?“
Ich gestehe: nur ganz wenige sind in den Müll gewandert. Sie waren einfach zufleddert oder wirklich nicht mehr zeigemäß. Einen kleinen Teil der Bücher habe ich über verschiedene Internetanbieter verkaufen können. Ein Teil wanderte in offene Bücherregale, manche zu Verwandten/ Freunden. In Trier gibt es noch eine „Free your stuff“-Facebook-Gruppe, in der Dinge verschenkt werden. Hier wurde ich schon vieles los (nicht nur Bücher). Morgen (20.9.2013) ist z. B. von 18 bis 22 Uhr „Umsonstmarkt“ im Schammatdorf. Jeder kann hinbringen was er nicht mehr haben will und mitnehmen, was ihm gefällt. Meine Bücher stehen nun im Flur und warten auf den Freitag, wo sie hoffentlich in neue Hände wandern. Außerdem gibt es bei uns auch noch verschiedene Umsonstläden oder die AWO-Möbelbörse.

Vergangenheit und Zukunft

Es gibt zwei verschiedene Gründe, weshalb wir solche Sammler sind. Manche halten sehr an der Vergangenheit fest. In Form von gesammelten Habseligkeiten. Andere wiederum haben ehr Zukunftsangst. „Was, wenn ich mal etwas nachschlagen will? Wenn ich ein Buch nochmal lesen will?“ Oft trifft auch beides zusammen auf.
Welcher der Gründe trifft auf dich mehr zu?

Frau Kondo schreibt:

“Aufräumen ist der kürzeste Weg zur Selbsterkenntnis. Ihr Besitz, also alles, was Sie umgibt, erzählt Ihnen die Geschichte Ihrer Entscheidungen. Das Aufräumen ist wie eine Inventur Ihrer Persönlichkeit, bei der Sie entdecken, wer Sie sind und was Sie wirklich wollen.”

Nun hoffe ich, dass ich dich eventuell angesteckt habe. Ist dem so? 🙂
Ich freue mich auf zustimmende oder auch auf ablehnende Kommentare. Wie geht es euch mit Euren Büchern? Welche davon bringen dich zum Lächeln, so dass du sie nicht hergeben würdest?

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6 Gedanken zu “Bücher ade – Scheiden tut nicht weh

  1. Dein Beitrag kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt. Ich fühle mich schon seit längerem überfordert und gerade zu überrollt von all den Büchern und anderen Dingen in unserer Wohnung.

    Wenn ich das lese, will ich „Magic Cleaning“ nun ganz dringend haben. Nein, ich muss es haben – es steht ja schon länger auf der Liste. Aber wenn es so effektiv weiterhilft kann das nicht mehr warten. Dein Bücherregal sieht toll aus! Von der Größe her habe ich das gleiche Modell – nur stehen darin in 3er-Reihen + obendrauf gestapelt Bücher. Und die machen mich wirklich nicht mehr glücklich, leider.

    Vielen Dank fürs Hoffnung machen!

    Liebe Grüße
    Deborah

  2. Danke für diesen Beitrag!
    Ich habe seit einigen Tagen das große Bedürfnis, mein Bücherregal auszumisten und die große Hürde sind Fachbücher, die ich noch nicht gelesen habe, aber bei deren Erwerb ich dachte „kann sicher nicht schaden/kann ich bestimmt noch gebrauchen“.
    Dein Beitrag motiviert mich, das Ausmisten anzugehen und evtl. werde ich mir auch das Buch von Frau Kondo ausleihen oder zulegen, um weitere Tipps und Motivation zu bekommen.
    Liebe Grüße! Mathilda

      1. Hallo Margit,
        ich habe mir jetzt das Buch bestellt und auch im Internet diverse Videos über die Methode geschaut. Die meisten hängen ja lang bei den Klamotten fest 😉
        Ich will es nun auch ausprobieren! Hast du denn alle Bücher, die du hast aus den Regalen genommen und an einen zentralen Ort gepackt? Ich weiß nämlich noch, dass die Anzahl der Bananenkartons mit Büchern beim letzten Umzug im zweistelligen Bereich war…
        Liebe Grüße! Mathilda

      2. Du hast recht, ALLE konnte ich nicht auf einen Haufen legen. Da ich von Zimmer zu Zimmer räumen musste, habe ich mich regalweise vorgearbeitet. Wichtig ist einfach nur, dass man wirklich jedes Buch in die Hand nimmt und nicht einfach oberflächlich drüberschaut. (Wobei der Effekt, alles, wirklich alles auf einem Haufen zu sehen psychologisch gesehen sicher nicht das schlechteste ist) 🙂

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