6. Woche meiner Challenge – kein Twitter und kein Facebook

Kurz vor Mitternacht steht der Akku noch bei 75%
Kurz vor Mitternacht steht der Akku noch bei 75%

Eigentlich wäre in dieser Woche nur der Facebook-Verzicht an der Reihe. Die dritte Woche (ohne Twitter) hat mir jedoch ziemlich deutlich aufgezeigt, dass sich die zwei Plattformen zwar nicht sehr ähnlich sind, aber als Ersatzbefriedigung für das jeweils andere dennoch gut herhalten können. Das heißt, verzichtete ich diese Woche nur auf Facebook, würde ich sicherlich weniger darüber reflektieren, weil ich mich unweigerlich mehr Twitter (sowieso meine Lieblingsplattform) zuwenden würde. Deshalb fiel die Entscheidung schon früh, beim Facebook-Fasten auch gleich auf Twitter zu verzichten.

Der Start erfolgt im Grunde so nebenbei, weil ich noch unterwegs bin  und keine Lust habe, auf dem Handydisplay in Twitter meine Biographie mit einem Hinweis zu versehen, dass ich für eine Woche abwesend bin. Ebenso entfällt ein entsprechendes geplantes Profilbild in Facebook. Ich setze lediglich in beiden Plattformen eine Meldung ab – und bin dann auch direkt offline, so dass ich die Reaktionen darauf nicht lesen kann. Als Vorsichtsmaßnahme verschiebe ich die beiden Icons auf dem Handy auf die letzte Seite, um nicht zu sehen, was sich dort tut und um ein reflexartiges Antippen zu verhindern. Nicht, dass es mir hier so geht wie in der süßigkeitenfreien Woche. Eine unbedachte Handlung und zack, wäre ich in Twitter 🙂

Sinn des Smartphones

Was es für mich einfacher macht: ich habe in dieser Woche noch Urlaub und bin deshalb nicht viel am Rechner. Und da wir zuhause mit Renovieren beschäftigt sind, habe ich auch das Handy nicht sehr oft in der Hand. Überhaupt stelle ich fest: ohne Twitter und Facebook macht ein Smartphone kaum Sinn. Ich merke, wie ich immer weniger zum Handy greife, weil: es gibt ja nichts Neues zu sehen. Das Regenradar als Ersatzbefriedigung fällt diese Woche auch aus, weil ununterbrochen gutes Wetter herrscht. Es erschreckt mich jedoch, wie oft ich – so nebenbei – zum Handy greife (und es dann frustriert beiseite lege, weil es ja „nichts Neues“ gibt). Der Effekt: abends um 23:30 Uhr hat mein Handy noch satte 75 Prozent Akkuleistung. Und ich war immer der Meinung, mein iPhone schaffe es nur noch maximal einen Tag ohne Aufladung 🙂

Was mir nicht gefällt

Ich habe das unbewusste Gefühl, ich müsse in Twitter und Facebook präsent sein. Es macht mir ein schlechtes Gewissen, zu denken, dass mich in Facebook Menschen anschreiben und ich nicht antworte. Hier ist der Druck viel größer als in Twitter. Da Twitter (meistens) ein „offenes Gemurmel“ ist, habe ich hier weniger das Gefühl, jemanden „auflaufen“ zu lassen. Denn vielleicht, nein: sicherlich, kann ein anderer eine an mich gerichtete Frage genauso gut beantworten.

Ich platze vor Neugier. Gerade nach der German Hoop Convention, wo ich viele neue begeisterte Hooper kennen gelernt habe, bekomme ich jetzt nicht mit, was in Facebook über das Treffen ausgetauscht wird. Gibt es schon Videos? Fotos? Habe ich neue Freundschaftsanfragen? Screenshot Handy mit Facebook- und Twitter-IconHat mir jemand gemailt? (Inzwischen wird oft über FB gemailt anstatt die „gute alte“ Mail zu nutzen). Gemeinerweise, zählt die App auf dem Handy in FB schön immer weiter, während bei Twitter einfach nur eine dezente „1“ steht.

Ich vermisse meine „Twitterfamilie“. Es gibt da ein paar Menschen, die mir im Laufe meiner Twitterzeit sehr ans Herz gewachsen sind. Deren Wohl und Weh mir am Herzen liegt. Nichts von ihnen zu hören, macht mich traurig und ich fühle mich etwas ausgeschlossen. Ich bin gedanklich oft bei ihnen und hoffe, dass es allen gut geht.

Wenn ich die Zugriffszahlen hier auf meinem Blog betrachte, sehe ich deutlich die twitterfreie Woche. Es ist ja gar nichts los hier! Hallo?! Liest mich noch jemand?

Was mir gefällt

Ich erlebe Situationen bewusster. Während ich sonst per Foto und Text meine Freude oder mein Lachen über eine Situation als Tweet absetze (und gelegentlich als Meldung in Facebook) bleibe ich ganz bei mir und in der jeweiligen Situation. Ich bin im Hier und Jetzt. Schön!

Ich habe mehr Zeit. Die meisten Statusmeldungen von Facebook interessieren mich eigentlich nicht. Da sind Menschen, die ich nur vom Internet her kenne (z. B. aus der virtuellen Sportgruppe), Firmen, die nette Dinge über ihre Produkte ausplaudern, Wettermeldungen von Regionen, die mich nicht betreffen. Die wenigen Personen, die mich in Facebook interessieren, haben mich entweder ausgesperrt (z. B. mein Sohn) oder schreiben ziemlich wenig. Einige sind auch gar nicht in Facebook vertreten.
Und auch in Twitter gibt es nur eine größere Handvoll, deren Einträge ich wirklich lesen will – der Rest ist Hintergrundrauschen.

Ich bekomme weniger unnötigen Informations-Input. Die Masse an Informationen, mit denen sich mein Kopf beschäftigen muss, hat drastisch abgenommen. So hat mein Kopf mehr Zeit, um über mich und mein Leben nachzudenken. Ich gebe zu, das ist nicht ungefährlich, weil man evtl. mit Unannehmlichkeiten konfrontiert wird oder sogar (ich bin in besagtem Alter) Midlifecrisis-Gedanken auftauchen. Aber: diese Gedanken kämen sowieso irgendwann an die Oberfläche. Und bevor sie mich nachts wachhalten, schenke ich ihnen also lieber tagsüber meine Aufmerksamkeit.

Die Mailflut hat sich deutlich reduziert. Ich bekomme (außer Werbung) und den wenigen abonnierten Newsletter nur noch vereinzelt Mails.

Fazit

Einige Dinge werde ich nach dieser Woche ändern.
Sowohl in Facebook als auch in Twitter werde ich das Grundrauschen reduzieren. Sprich: mich von Menschen und Seiten trennen, die mich im Grunde zu viel Zeit kosten und mich nicht wirklich interessieren.

Ich werde das Handy bewusster nutzen. Es ist ein prima Ablenkungsmittel, vor allem, weil man es immer dabei hat. Ich werde mir angewöhnen, es nicht immer und überall bei mir zu haben.

Die Mailbenachrichtigungen aus Twitter und Facebook werde ich ausgeschaltet lassen. Wenn ich etwas aus Twitter und FB wissen will, werde ich mich einloggen – und mich nicht mehr per Mail dorthin locken lassen.

Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf, mich morgen früh auf beide Plattformen zu begeben und ich bin gespannt, was mich erwartet. Und ich werde nicht (!) nach hinten scrollen, um „Vergangenes“ nachzulesen. Nur direkte Mentions bzw. Hinweise in FB werde ich mir rückwirkend anschauen.

Halbzeit

Insgesamt bin ich sehr glücklich über meine Challenge. Ich liebe bewusster (haha, netter Schreibfehler, den lasse ich jetzt einfach mal stehen, weil: irgendwie passt es ja). Nicht im Sinne von Askese, sondern viele unbewusste Handlungen (sei es ein Stückchen Schokolade im Vorbeigehen, die Handynutzung während ich Fern sehe oder ein Gläschen Wein ohne es richtig zu genießen) werden mir mit einem mal bewusst und ich genieße die Schokolade mit allen Sinnen. Ich freue mich an der funkelnden Farbe des Rotweins oder genieße morgens meine Tasse Kaffee (ja, sie schmeckt wieder *g*).

Ausblick

Die kommende Woche steht unter dem Motto „Kein Fernsehen“. Mein Mann freut sich schon, weil er dann die Macht über die Fernbedienung hat und sich unbegrenzt Kriegs- und Peng-Peng-Filme *g*oder Dokumentationen über Flugzeugträger anschauen kann. Das hat er wirklich gesagt 🙂 Und ich werde in dieser Zeit online bei Twitter- und Facebook aufräumen, werde mehr lesen und mit der Renovierung meines zukünftigen eigenen Zimmers beginnen.

 

Und das ist meine 12-Wochen-Challenge:

Woche 1: kein Fleisch und keine Wurst √
Woche 2: Kein Kaffee √
Woche 3: Kein Twitter √
Woche 4: Kein Alkohol √
Woche 5: Keine Süßgigkeiten √
Woche 6: Kein Twitter und kein Facebook √

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3 Gedanken zu “6. Woche meiner Challenge – kein Twitter und kein Facebook

  1. Genau so ist es…man lebt bewußter und ist anders getaktet..und ja, das Leben findet NICHT auf FB und Twitter statt auch wenn es manchen -mangels vorhandenem Reallife- so vorkommen mag.
    Meine Erfahrung: diese Medien und ihr Inforauschen gaukeln eine Wichtigkeit und eine Bedeutung des Geschriebenen vor, welches es für die Wenigsten hat. Meine Frage immer: mit welchen Personen würde in echt Kontakt haben wollen und dann -aussortieren-.
    Danke
    Lg

  2. Schön, deine Erfahrung mit dem Facebok- und Twitter-Verzicht, und vor allem die Konsequenz, die du daraus ziehst! Was mein FB-Verhalten angeht, geht es mir ganz genauso, d. h. ich besuche FB nur noch, wenn ich eine Benachrichtigung bekomme und fühle mich seitdem seltsam „befreit“. Was die Süßigkeiten (bei ist es Schokolade) und den Rotwein anbelangt – auch da kann ich dir nur zustimmen: bewusster/achtsamer Genuss ist so viel genussreicher… 😉

    LG
    Mimi

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