Der Tanz mit dem Bär

Grimmiger Baum
So fühlt man sich manchmal

Ich sitze nach Feierabend geschafft in der Bahn und möchte einfach nur in Ruhe nach Hause zockeln. Der Zug ist wie immer recht gut gefüllt. Ich finde einen Sitzplatz, schließe müde meine Augen, da geht es los.

Musik. In ziemlich heftiger Lautstärke. Und gar nicht mein Geschmack.

Irgendwo vor oder hinter mir.  Ich kann den Übeltäter nicht sehen und hoffe zuerst, dass ein anderer Fahrgast etwas sagt. Aber es passiert nichts.

Ich merke, wie ich anfange mich zu ärgern. Es grummelt in mir, mein Puls geht hoch. Ich bin total genervt. Und es sind noch lange 15 Minuten bis ich aussteigen kann.

Ping-Pong mit dem Bären

Da ich die Situation erstmal nicht ändern kann, versuche ich es mit einem Trick. Mit geschlossenen Augen stelle ich mir vor, mich würde eine zweite Haut umgeben. Eine, die schalldicht ist.

Tamm. Tamm. Tamm. Es ist zum Verzweifeln. Es funktioniert nicht. Bumm, bumm, bumm.

Aber ich gebe nicht auf. Im Weiterträumen wird aus der zweiten Haut auf einmal ein Fell. So ein richtig schönes, plüschiges Bärenfell. Gedanklich schaue ich in an mir herunter und bin auf einmal ein Bär. So wie dieser Toilettenpapier-Bär, ihr kennt ihn sicherlich. Gemütlich, beweglich, gelassen.

Und dann fängt dieser Bär plötzlich an, die Töne abzuwehren. Mit seinem Hinterteil 🙂

Ich muss schmunzeln. Mit jedem Ton, der ankommt, schwingt dieser Bär seine Hüften und wie beim Tennis werden die Töne zurückgeschmettert.
Ich bin völlig dabei. Links. Rechts. Es macht so Spaß. Da, nimm dies! Und das! Peng. Peng. Peng. Zurück mit den Tönen. Und noch einer. Ich schwenke den Hintern. Patsch!

Und dann: Stille

Wie: Stille? Wo ist die Musik??? Ich will weitermachen.
Da hat der Mitfahrer doch glatt (warum auch immer) die Musik ausgemacht und ich ertappe mich dabei, dass ich leicht ENTTÄUSCHT bin. Ich?! Wo ich mich eben so über die Musik aufgeregt hatte.

Mit einem Schmunzeln steige ich später aus. Ich habe mir (unbewusst) selbst bewiesen, dass ich nicht immer die Situation ändern muss, sondern es manchmal auch genügt, meine Einstellung oder Sichtweise einer Begebenheit zu ändern.

Ich nehme mir vor, das Leben öfter spielerisch zu nehmen. Ihm mein dickes Hinterteil hinzustrecken und zu sagen „Peng, nimm das zurück“ 🙂

Danke lieber Bär.

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2 Gedanken zu “Der Tanz mit dem Bär

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