Über dem Meer. Halt doch mal an und beobachte

Sarah mit Zuckerwatte
Sarah mit Zuckerwatte

Gestern war ich mit meinem Patenkind in der Stadt. Ein Getümmel und Gewiesel. Jeder eilte vor sich hin, die Einkäufe in schweren Taschen schleppend und auf nichts achtend. Sarah (5) und ich, wir fingen an Weihnachtsbäume zu suchen und zu zählen (bei über 50 geschmückten Bäumen nach 45 Minuten haben wir dann übrigens aufgehört 🙂 ).  Und ich fragte mich: Werden diese Bäume von den Passanten überhaupt wahrgenommen? Die großen und mächtigen, die kleinen. Die bunten, die weißen …

Dann auf einmal hielt Sarah meine Hand fest und rief atemlos: „Da, da hat eine Frau was aus ihrem Rucksack verloren“. Wir kämpften uns durch die Menge und fanden am Boden eine Schüler-Monatskarte für den Bus.
Zu Hilfe, wer hatte die Karte verloren?
Die Kleine zerrte mich ganz aufgeregt durch die Menge, bis wir hinter drei Schülerinnen landeten, die ich zwei Mal ansprechen musste, bis sie mich hörten. Und tatsächlich: die Karte gehörte einem der Mädchen.
Als ich Sarah daraufhin fragte, wie sie das denn gemerkt hätte, meinte sie, es hätte laut „Platsch“ gemacht, als die Karte (in einer Plastikhülle) auf dem Boden landete. Und obwohl ich – so meine ich zumindest – sehr bewusst und aufmerksam durch die Gegend bzw. das Leben gehe, hatte ich weder das Geräusch gehört, noch auf den Boden geschaut.

Halte an und Beobachte

Eiskristalle an einer Scheibe
Eiskristalle an einer Scheibe

Ist dir schon aufgefallen, wie oft du so geschäftig durch das Leben eilst, ohne dass du vieles, was in deiner Nähe passiert ist, wahrnimmst? Du siehst weder die liebevoll geschmückten Tannenbäume, noch die Taube, die sich über herabfallende Lebkuchenkrümel freut. Du siehst nicht die müden Augen der Verkäuferin hinter der Weihnachtsbude, nicht die wunderschönen Eiskristalle an einem Fenster noch riechst du den Duft des Glühweins. Du gehst stur deinen Weg und das Leben rauscht an dir vorbei.

Es gibt ein gutes Gegenmittel: Halte an und beobachte.

Stell dir vor, du fändest mitten in diesem Weihnachtstrubel eine gemütliche Stelle, wo du dich niederlassen könntest. Rund um dich herum tobt der weihnachtliche Einkaufstrubel. Aber du sitzt einfach nur – und beobachtest. Dann siehst du eventuell die strahlenden Kinderaugen vor den Schaufenstern, du beobachtest wie der Wind an den Weihnachtsbäumen wackelt. Du siehst wie sich ein jugendliches Pärchen liebevoll in die Augen schaut und sich küsst. Du riechst den Crêpe-Geruch und schmeckst in Gedanken den süßen Glühwein.

Anhalten und Beobachten: Das kannst du nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt tun sondern auch in deinem Leben. Halte an und beobachte! Was passiert gerade um dich herum?
Vielleicht siehst du dann, wie hektisch die Anderen durch das Leben gehen. Sie spiegeln dich. Du siehst sie verärgert, hetzend, mürrisch und in Gedanken weit, weit weg. So wie du auch oft durch das Leben gehst. Erlaube dir doch mal eine „unproduktive Zeit“. Sei einfach nur – und beobachte.

Über dem Meer

Blick über das Meer
Blick über das Meer

Matthieu Ricard beschreibt im Buch „Glück“ eine sehr wirksame, buddhistische Methode des „über sich selbst Schwebens“. Wenn dich der Alltag, der Stress, die Gefühle zu übermannen drohen, kommst du dir vor, wie ein Schiffbrüchiger auf hoher See. Die Wellen sind riesig, sie drohen dich zu versenken. Doch wenn du versuchst, über den Wellen zu schauen, als würdest du mit dem Flugzeug darüber fliegen, nimmst du nur ein feines weiß-blaues Mosaik wahr. Hier ist es still und dein Geist verschmilzt mit dem klaren blauen Himmel.

Diese Position kannst du auch einnehmen, indem du dich selbst beobachtest. Du kannst deine Gedanken beobachten, BIST aber nicht dein Gedanke. Du siehst dich hektisch, verurteilend, kritisierend durch die Welt gehen. Mit dem Abstand „von oben“ kannst du Gedanken oder Handlungen dann hinterfragen. Und du tust einfach nichts. Du hältst an und beobachtest dich, lernst dich dadurch kennen.

Nimm dir jeden Tag ein paar Minuten. Halt an und beobachte. Es könnte dich und dein Leben ändern.

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