In wessen Angelegenheit befindest du dich?

Ein persönlicher Meilenstein für mich im Umgang mit Problemen ist eine Aussage von Byron Katie in ihrem Buch „Lieben was ist“. Katie geht davon aus, dass es nur drei Angelegenheiten gibt:

  • meine
  • deine
  • und Gottes (oder Natur, Schicksal, wie immer du es auch nennen willst)

Also immer dann, wenn du feststellst, dass du ein unangenehmes Gefühl hast (Trauer, Wut, Hass) frage dich:

In wessen Angelegenheit befindest du dich gerade mit deinen Gedanken?

Und wenn du feststellst, dass es nicht deine Angelegenheit ist, kehre zu dir zurück. Ganz oft verfliegt der Ärger, die Trauer, die Wut dann einfach von selbst.

Beispiel:

Ich habe ein junges Ehepaar als Nachbarn, die selten bis gar nicht grüßen. Anfangs habe ich mich sehr darüber geärgert. Und es verunsicherte mich. Bis mir klar wurde: „Wessen Angelegenheit ist es, ob sie grüßen? Ihre oder meine?“. Nun, es ist ihre Angelegenheit.  Sie selbst entscheiden, ob sie grüßen oder nicht. Also verflog der Ärger. Ich grüße weiterhin, wenn ich sie sehe. Und fast immer grüßen sie inzwischen zurück. Aber sie müssen es für mich nicht tun. Es ist ihre Angelegenheit.

Ein anderes Beispiel:

Der Zug hat Verspätung. Ich stehe am Bahnhof, habe eiskalte Füße und ärgere mich.
Wessen Angelegenheit ist es, ob der Zug Verspätung hat? Es ist nicht meine. Ich kann nichts daran ändern, also konzentriere ich mich auf mich selbst und nicht auf Sätze wie „der Zug sollte aber pünktlich sein“. Und schon ist der Ärger verraucht.

Katie sagt in ihrem Buch noch etwas sehr wahres „Wenn du in Gedanken das Leben eines anderen lebst, wer lebt dann in diesem Moment dein Leben?„.
Wenn ich in Gedanken ständig denke „der sollte dies tun“, „die sollte das lassen“, „der Zug sollte pünktlich sein“ …. befinde ich mich außerhalb meines Selbst. Ich bin nicht zentriert. Ich versuche Menschen, Dinge, Situationen zu beeinflussen. Und muss zwangsläufig scheitern. Denn ändern kann ich nur mich selbst bzw. meine Einstellung zu solch einer Situation.

Ich erlebe solches „Leiden“ oft in Gesprächen mit Freundinnen. Da wird sich gesorgt, ob die Tochter warm genug angezogen ist. Ob der Sohn genügend zu Essen dabei hat. Ob die Mutter zufrieden mit dem letzten Einkauf ist. Ob der Ehemann wohl pünktlich nach Hause kommt  …. Diese Liste ist unendlich lang. Aber alle Gedanken drehen sich um das Leben anderer.

Versuche doch mal, dich in den nächsten Tagen zu beobachten. Wie oft bist du nicht bei dir sondern im Leben anderer?

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2 Gedanken zu “In wessen Angelegenheit befindest du dich?

  1. Danke für den schönen Artikel. Stimmt schon, in “deinen“ und “Gottes “ Angelegenheiten haben wir nichts verloren. Vielmehr haben wir genug zu tun mit unseren…

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