Zeit der Dankbarkeit

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Karl May Bände im Regal

Karl May Bände im Regal

Heute vor 170 Jahren wurde Karl May geboren. Ein Autor, der unzählige Reise- und Abenteuerromane schrieb, obwohl er erst in späteren Jahren durch die Welt reiste. Was muss dieser Mann für eine Fantasie besessen haben?

Vielleicht gehört ihr – wie ich auch – zu der aussterbenden Generation, die mit Taschenlampe unter der Bettdecke mit Old Shatterhand und Winnetou Abenteuer bestritt. Die Helden meiner Kinderheit waren allesamt in seinen Romanen versammelt. Und mein Zimmer schmückte damals ein Riesenposter von Winnetou und Old Shatterhand.
Ich weiß selbst nicht, wie ich dazu kam, mir ein Buch von ihm zu schnappen. Vielleicht, weil mein Vater gut vierzig dieser Bücher deutlich sichtbar im Wohnzimmerregal stehen hatte und ich im Fernsehen “Winnetou” gesehen hatte?
Als Erwachsene bemerke ich rückblickend, dass man alle Figuren, die Karl May beschrieb, eigentlich in sich trug. Und auch heute noch trägt.

  • Allen voran Old Shatterhand: ein Tausendsassa, dem kein Fehler unterlief, der selbstbewusst durch die Wüste oder das Tal des Todes schritt. Er bekämpfte seine Feinde, aber tötete nur aus Notwehr. Seine Fähigkeit, die Bösen mit einem Faustschlag außer Gefecht zu setzen, ohne sie zu verletzen, brachte ihn zu seinem Namen. Er konnte bestimmen wie alt eine Spur im Gras war und erlegte gleich im ersten Band einen riesigen Grizzlybären nur mit dem Messer.  Aber Old Shatterhand war nicht nur in allem der Beste:  Old Shatterhand log nie, er war immer ehrlich. Er glaubte an das Gute im Menschen. Er trachtete nie nach Gold.
    Er war mein größtes Vorbild: Wenn ich auf dem Zahnarztstuhl saß und gebohrt bekam, verwandelte ich mich immer in Old Shatterhand, der keinen Schmerz kennt. Er hat mir bei manchem Zahnarztbesuch sozusagen die Hand gehalten.

Hast du nicht auch solch einen Tausendsassa in dir? Lass ihn raus. Er darf auf die Trommel hauen, die Bösen bekämpfen und von sich selbst überzeugt sein.

  • Dann war natürlich Winnetou. Sein bester Freund und Blutsbruder. Er war der Stille von den beiden. Seine Gefühle zeigte er nie, höchstens der Glanz seiner Augen verriet ihn. Er lebte mit der Natur und kämpfte gegen die Unterdrückung seiner Brüder und Schwestern.
    Als ich – fasziniert von diesem Indianer – mal an Weihnachten meine Geschenke auspackte, war nach außen keinerlei Freude zu sehen. Ich gab mir größte Mühe, meine Augen funkeln zu lassen, aber der Versuch schlug irgendwie fehl und meine Mutter war der festen Meinung, mir hätte kein einziges Geschenk gefallen :-)

Hast du in dir nicht auch einen Häuptling. Der stolz und unbeugsam ist? Wofür kämpfst du mit ehrlichen Mitteln?

  • Als eine der wenigen Frauen gab es da Winnetous Schwester Nscho tschi. Irgendwie kam sie sehr unauffällig und blass daher. Und weil sie sich aus Liebe zu Old Shatterhand “weiße” Eigenarten angewöhnen, sich also verbiegen wollte, kam sie ums Leben.

Wo verbiegst du dich gegen dein Willen und leidest?

  • Sam Hawkins. Ein Spaßvogel, der selbst kurz vor dem Tod noch einen Witz auf Lager hatte und alles mit Humor nahm. Obwohl er weder hübsch noch groß gewachsen war, stand er seinen Mann und machte sich mit Humor das Leben so leicht wie möglich.
    Ich kann mich erinnern, dass ich mal einen Witz von Sam Hawkins im Freundeskreis anbringen wollte, aber im 20. Jahrhundert kam der irgendwie gar nicht an :-)

Du hast doch sicherlich auch einen Clown in dir? Der jeder Situation etwas zum Schmunzeln abgewinnen kann. Wo steckt er?

Diese Liste ist im Grunde erst der Anfang. Da gibt es noch diverse Bösewichte (allen voran Santer), oder faszinierende Charaktere wie den quirligen Hatschi Halef Omar; es gab das stolze Pferd Hatatila, Wanderprediger, Schmuggler, Priester, Chinesen, Türken und und und.

Ich gebe zu: Mit heutigen Augen gelesen, sind seine Bücher nicht frei von Rassismus und Nationalismus (auch wenn die Verlage da nachbesserten). Aber die Zeit, in der er lebte, findet sich einfach in seinen Büchern wieder.

Nichts desto trotz hat er mir mit seinen Büchern viel gegeben. Mut und Stärke. Glaube an das Gute im Menschen. Ein “egal wie ausweglos die Situation ist, alles wird gut”. 
Danke, lieber Karl May.


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