Zeit der Dankbarkeit

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Babyfoto

Gestern noch klein – und heute schon groß

Liebe H.,

heute ist es soweit: du wirst in deine erste Wohnung ziehen. Es ist schon alles in Kisten verstaut und steht bereit zum Abholen. Ich stehe in deinem Zimmer und meine Gedanken schweifen zurück.

Es kommt mir vor wie gestern, dass ich mit dir schwanger war. Du warst mein erstes Kind und durch dich war ich mit einem Mal nicht mehr nur Frau sondern auch Mutter. Ich weiß noch, dass die Hebamme nach der Geburt wissen wollte, was es denn für ein Gefühl sei, nun “Mutter” zu sein – und ich konnte nichts darauf antworten. Woher auch. Du lagst schlafend in meinem Arm und in mir tobten Liebe, Angst, Stolz und Unsicherheit. Wie würde es wohl werden? Würde ich eine gute Mutter sein?

Das ist jetzt fast einundzwangig Jahre her und würde mich die Hebamme jetzt noch einmal fragen, könnte ich nicht aufhören zu reden. Ich würde erzählen von dem großen Platz, den du in meinem Herzen hast. Mit Liebe freigeräumt und für immer dein. Ich wüsste Millionen Geschichten zu erzählen. Ich könnte mit der Zähnchendose klappern und ihr Fotos zeigen. Ich würde das Gefühl beschreiben, wie es ist, wenn mein Kind mit kleinen Fingerchen nach meiner Hand greift. Wenn es fiebernd in meinen Armen liegt. Wenn es mir selbstgepflückte Blumen überreicht. Wenn es sich wegen Liebeskummer in sein Zimmer zurückzieht – scheinbar unerreichbar. Ich könnte auch jammern über schlaflose Nächte, unaufgeräumte Kinderzimmer, ausgespucktes Essen. In meinen Ohren erklingt plötzlich Kinderlachen, Weinen und ein Schlaflied. Ich schmecke den Geschmack von Milchbrei, von Kinderschokolade und Bonbons. Ich rieche Babycreme, Rosenduft (dein Lieblingsshampoo) und Bananenchips. Es ist, es wäre es gestern.

Ich wollte dir so vieles beibringen. Wie man Knöpfe annäht, wie man singt, wie man das Leben am besten meistert.
So vieles ist untergegangen im Alltag. Wir haben zusammen gelacht, gespielt, geweint – und dennoch habe ich das Gefühl, es gäbe noch so vieles, was ich dich noch lehren will. Ich war immer auch berufstätig – und jetzt frage ich mich, ob ich nicht doch mehr Zeit mit dir hätte verbringen sollen. Wer konnte ahnen, dass einundzwanzig Jahre so schnell um sein würden? Aber hätte mich dann nicht auch der Alltag eingeholt? Vielleicht verbringt man immer zuwenig Zeit mit seinem Kind, egal ob man daheim ist oder berufstätig. Mir kommt es rückblickend zumindest so vor.

Im Bad fehlt ein Zahnputzbecher, die Anzahl der Shampoos und Cremes hat sich deutlich minimiert und dein Zimmer riecht schon nicht mehr nach dir. Du bist noch nicht richtig weg und schon ist so vieles anders. Gestern hast du noch versucht, mit dem Löffel essen zu lernen und heute fährst du mit dem Auto davon. Wäre ich auf der Enterprise, würde ich einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum vermuten. So scheint einfach nur die Zeit wie im Flug vergangen zu sein und ich hoffe, dass ich dir das Wichtigste im Leben mitgeben konnte: die Liebe. Die Liebe trägt alles und verzeiht. Die Liebe herzt und umarmt. Die Liebe ist die Basis unseres Lebens.

Möge dein Leben voller Liebe sein – im Innen wie im Außen.

Deine Mama

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Im März erzählte ich Euch von einer Begegnung der besonderen Art. Diese war schon sehr berührend. Aber sie ist nichts gegen dass, was ich heute erlebte.

Ich bin in einem öffentlichen Park zusammen mit meiner Freundin zum Training. Hula Hoop Training an frischer Luft und im Sonnenschein. Macht viel Spaß, ist aber auch ganz schön anstrengend. Nach einer Stunde setzen wir uns zur Pause auf die Wiese. Rund um uns rum liegen die bunten Reifen. Um mich herum liegt auch einer, ich sitze sozusagen in seiner Mitte.

Hoops auf der Wiese

Hoops auf der Wiese

Der Park ist ein Touristenmagnet, so dass immer wieder große oder kleine Gruppen in einiger Entferung (auf den Wegen) an uns vorbeziehen. Wie wir so da sitzen, kommt eine weitere Gruppe mit Menschen. In dieser Gruppe trippelt ein kleines Mädchen. Ich schätze sie auf eineinhalb bis 2 Jahre. Sie löst sich aus der Gruppe und will zu uns, wird jedoch von ihrer Mutter daran gehindert. Ein paar Schritte weiter will sie wieder zu uns, und ihre Mutter lässt sie diesmal laufen.

Ganz in Ruhe kommt sie auf uns zu und ich überlege schon, welcher Reifen ihr wohl am besten gefällt. Welchen sie sich nehmen möchte. Da kommt sie auf mich zu, betritt den Kreis um mich herum und öffnet beide Arme, um mich von Herz zu Herz zu umarmen.

Ich bin völlig gerührt. Mit Tränen in den Augen drücke ich das kleine Mädchen an mich. Nein, eigentlich drückt SIE sich an MICH. Ich sage noch zu ihr “Ach, du bist ja eine Süße”. (Dabei sieht sie aus, als wenn sie gar kein Deutsch versteht). Nach der kurzen Umarmung, dreht sie sich rum und geht – ohne die funkelnden Reifen eines Blickes zu würdigen  – wieder zurück zu ihrer Mutter.

Diese lächelt mich an und ich halte – zurücklächelnd – die Hände an meine Brust, meine Ergriffenheit signalisierend. Die Kleine – an der Hand der Mutter – dreht sich noch einmal um und winkt mir zu. Dann ist sie hinter dem nächsten Baum verschwunden.

Ich sitze völlig geplättet auf der Wiese und weiß nicht, wie mir geschehen ist. Es ist, als ob eine uralte Seele mich aus der ganzen Menge herausgesucht und mir ihre Gnade erwiesen hat. Ich bin erfüllt und dankbar. Dankbar für diese wundervolle Begegnung.


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