Zeit der Dankbarkeit

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Diejenigen, die mich von Twitter her kennen, wissen, dass ich letztes Jahr geheiratet habe. Und zum Heiraten braucht man natürlich ein Brautkleid. Als ich die Hochzeitsmesse in Trier besuchte und dort Schneidermeisterinnen ihre Entwürfe ausstellten, dachte ich mir: das wäre doch auch was für mich. Das eigene Kleid selber nähen. Dann habe ich ein Unikat – und spare Geld.

Allein ist so ein Unterfangen natürlich nicht möglich.  Also fragte ich meine Mutter, ob sie mir helfen wolle. Nachdem ihre freudige Zusage da war, machte ich mich auf, einen Schnitt und passenden Stoff zu suchen. Brautkleiderschnitte sind entweder hässlich oder rar, so dass es gar nicht so einfach war, etwas passendes zu finden. Meine Wahl fiel dann auf ein amerikanisches Modell – als Ausgangslage, anpassen wollte ich dann diverses. Jetzt  musste ich mich erst mal durch die amerikanischen Größen wühlen. Das Abmessen meiner eigenen Maße ergab eine Schwankung zwischen Brust, Taille und Hüfte von insgesamt drei Größen (das versprach lustig zu werden).

Nun ging es an den Stoff. Ich suchte mir sämtliche Geschäfte in Trier heraus, die Stoffe führen, und machte mich auf einen langen Nachmittag gefasst. Aber Gott meinte es wiedermal gut mit mir: schon im ersten Laden zeigte mir die Verkäuferin eine wundervollen, cremefarbenen Stoff, leicht gecrasht, der noch dazu wirklich preiswert war. Gefallen, gekauft. Einzig die Spitze, mit der ich das Kleid verzieren wollte, war nirgendwo in Trier aufzutreiben. Und auch nicht im Internet.

Ich verbrachte im Frühjahr insgesamt zwei arbeitssame aber wunderschöne Wochenenden bei meiner Mutter und werkelte im Sommer zuhause noch einige Tage am Kleid. Gleich beim ersten Treffen stellten wir fest, dass die Corsage-Stäbchen keinen Tunnel dabei hatten, also fuhren wir in die Nachbarstadt, nach Zwingenberg, um sie zu kaufen. Und im Stoffladen fiel der Blick meiner Mutter plötzlich auf eine Spitzenbordüre in Creme. Ihr werdet es sicherlich ahnen: es war GENAU die passende Farbe. Und weil es das Reststück war, gab es diese dann auch noch preiswerter.

Ich könnte Euch noch viel mehr rund um das Brautkleid erzählen. Aber seht euch einfach die Bildergalerie an (einfach auf das erste Bild klicken). Dann wisst ihr, wie es war.

Es gibt übrigens den Aberglauben, dass man sein Brautkleid nicht selbst nähen solle, weil: “jeder Stich eine Träne“. Ich persönlich halte von solchen Theorien nichts und bin der Meinung, dass mein Eheglück nicht davon abhängt, ob ich mein Kleid selbst genäht habe oder nicht. Und außerdem wissen wir ja: auch Tränen haben eine Daseinsberechtigung. Genauso wie das Lachen. Eine Ehe ohne Lachen und ohne Tränen ist eine tote Ehe, weil keine Gefühle mehr da sind.

Mir bleibt nur noch eins: ein Riesen-Danke-Schön an Ursula. Nicht nur für die Hilfe beim Brautkleidnähen. Nein, ohne sie wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin. Danke!

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Anmerkung: Dies ist eine freie Übersetzung des Gastbeitrags von Courtney Carver, Autorin von www.bemorewithless.com, auf zenhabit.net.

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal darüber lachen würde, wie beschäftigt ich früher war. Mein Ziel war es, eine Superfrau zu sein. Ich konnte 40 und mehr Stunden pro Woche arbeiten, ein Kind erziehen, hilfsbereit sein, wenn jemand fragte, ich konnte trainieren, reisen, kochen und putzen. Ich konnte all das tun, und noch viel mehr.

Jeder tat das alles, also tat ich es auch. Aber eigentlich wollte ich das nicht alles tun. All diese Aktivitäten erschöpften mich. Es kostete mich Freundschaften. Kostete mich meine Gesundheit. Meine Geschäftigkeit kam mir nicht einmal ein bisschen albern vor. Es war der Normalzustand.

Weniger geschäftig zu sein war kein Zufall, sondern eine Entscheidung, die ich mit Absicht getroffen habe. Ich traf die Entscheidung, dass ein stressvolles Leben nicht die richtige Lebensweise für mich ist. Ein guter Mensch zu sein, liebende Ehefrau, Mutter und Freund … das war das Leben, das ich wollte. Daneben wollte ich die Freiheit haben, Dinge zu machen, die mein Herz zum singen bringen, anstatt Dinge zu tun, die mich erdrücken.

Bis ich bewusst beschloss, die andauernden Aktivitäten sein zu lassen,  konnte ich nicht sehen, wie dumm es wirklich war. Das Gefährliche an der Geschäftigkeit ist, dass Du manchmal so sehr mit allem beschäftigt bist, dass du gar nicht bemerkst, dass du in Schwierigkeiten bist. Du bist so überfordert, dass du nicht herausfinden kannst, wie man es ändert. Du bist so sehr daran gewöhnt, geschäftig zu sein, dass du dir mehr und mehr Arbeit erschaffst, die dein Leben noch stressvoller macht.

Du bist in diesem Unsinn der Geschäftigkeit gefangen, wenn

  • deine übliche Antwort auf “Wie geht es dir?” ist: “Ich bin beschäftigt” oder “Ich habe absolut keine Zeit” oder “Ganz gut, aber ich hab so viel zu tun.”
  • du viel Zeit damit verbringst, darüber nachzudenken, wie viel du morgen zu tun hast
  • du verärgert darüber bist, dass dein Partner oder deine Freunde nicht so viel Arbeit haben wie du
  • dein stressiges Leben dich nachts wach hält und du ständig darüber nachgrübelst, was du alles noch nicht erledigt hast
  • du Wert darauf legst, andere wissen zu lassen, dass du Stunden im Büro verbringen musst
  • du mehrmals am Tag deine E-Mails checken musst
  • du während eines Gespräches gedanklich abschweifst und dir überlegst, was noch alles zu tun ist
  • du dich mit Dingen beschäftigst, die dich eigentlich nicht interessieren
  • du viel Zeit damit verbringst, darüber zu klagen, wie beschäftigt du bist
  • du eine Liste nach der anderen machst, damit du bloß nichts vergisst
  • du  jeden Tag Zeit damit verbringst, einen Überblick über deinen Schreibtisch zu erhalten, zu ordnen, zu sortieren
  • du regelmäßig in deinem Auto isst
  • du im Auto telefonierst, weil es die einzige Möglichkeit ist “in Ruhe ein Telefonat zu führen”

Wenn du so bist wie ich es früher war, dann, weil du einfach ständig beschäftigt sein willst oder weil du nicht weißt, wie du es stoppen kannst. Weil du nicht weißt, wie es ist, untätig zu sein. Du bist aktiv, weil du irrtümlich meinst, wenn du so viel tust, bist du jemand. Wenn du dich entscheidest, dass es ok ist, das Leben auf deine Art zu leben, kannst du aufhören, beschäftigt zu sein und beginnst statt dessen Dingen zu tun, die dir wichtig sind. Du kannst über deinen ausgefüllten Tag reden, anstatt dich über deinen vollen Terminkalender zu beschweren. Entscheide dich heute, dass du schon jemand bist, selbst wenn du einfach nichts tust, nichts erreichst oder nie wieder etwas produzieren wirst. Du bist jemand.

Wie kommst du mehr zur Ruhe?

  • werde bewusst unproduktiv
  • rufe deine E-Mails nur 2 mal pro Tag ab
  • lösche E-Mails, die du nicht lesen musst
  • schalte dein Telefon und den Computer aus, wenn du nicht arbeitst
  • schalte alles im Auto aus (außer den Motor)
  • fahre dein i-Pad runter
  • lese “The Power of Less
  • hilf jemandem bei etwas
  • versuche, weniger “tun”, mehr zu “sein”
  • gib es auf, mitzuhalten, dich zu vergleichen oder andere zu überholen

Wenn du vielleicht glaubst, dass du dich für andere aufopferst, weil du beschäftigt bist, ist es ehr die Beziehung selbst, die du mit deinem Aktivismus opferst. Komm zu dir und nimm dir Zeit zu überlegen, was dir am wichtigsten ist. Tu das zuerst. Der Rest kann warten.

Courtney Carver ist die Autorin von Simple Ways to Be More with Less. Sie hat einen Blog, Be More with Less, oder du kannst ihr auf twitter folgen.

Dieser Text stammt von www.zenhabit.net – ein wirklich empfehlenswerter Blog.


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