Zeit der Dankbarkeit

Archive for März 2011

Liebster Schatz!

Ich sitze hier vor dem PC und versuche, das, was ich für dich empfinde, in Worte zu fassen. Morgen werden wir gemeinsam vor der Standesbeamtin stehen und uns das Ja-Wort geben. Eine wundervolle Vorstellung.

Hase mit HelmAls ich dich vor neuen Jahren kennenlernte, hätte ich nie gedacht, dass wir einmal heiraten werden. Ich war noch frisch verletzt von einer zerbrochenen Ehe und hatte mit dem Thema “Männer” abgeschlossen. Auf einer Geburtstagsfeier meiner Freundin bist du dann in mein Leben getreten. Wir saßen in kleiner Runde draußen im Garten und du kamst mit dem Motorrad vorgefahren. Ich dachte noch “Oh, ein Motorradliebhaber. Wie interessant”.
Dann nahmst du den Helm ab und ich sah deine Augen. Dunkelbraun. Wie im Lied “Brown Eyes” von Desteny Child:

Remember the first day when I saw your face
Remember the first day when you smiled at me
….
I know that he loves me cause told me so
I know that he loves me cause his feelings show
When he stares at me you see he cares for me
You see how he is so deep in love
I know that he loves me cause its obvious
I know that he loves me cause its me he trust
and he’s missing me if he’s not kissing me
and when he looks at me his brown eyes tell it so

Diese Augen. Voller Wärme. Eigentlich war es zu diesem Zeitpunkt schon um mich geschehen. Ich habe den ganzen Abend nicht mehr viel geredet. Du hast dich ganz zwanglos zu uns gesetzt und ich war sprachlos (was selten vorkommt).

Aus einem anfänglichen “das ist ja ein interessanter Typ” wurde sehr schnell Liebe. Und auch du hast mich und die Kinder direkt in dein Herz geschlossen und bist sogar nach einem halben Jahr mit uns zusammengezogen.

Ein wichtiger gemeinsamer Schritt für uns war es, vor sechs Jahren zusammen ein Haus zu bauen. Im Grunde haben wir uns damit schon aneinander gebunden. Uns versichert, dass dies keine kurze Affaire ist sondern etwas dauerhaftes. Und dieses Dauerhafte wird morgen vor unserer Familie und unseren Freunden besiegelt.

Und wenn morgen die Standesbeamten diesen Text von Khalil Gibran vorlesen wird, sagt mein Herz ganz laut JA.

Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.
Liebe besitzt nicht, noch lässt sie sich besitzen;
Denn die Liebe genügt der Liebe.
Wenn Du liebst, sollst Du nicht sagen: “Gott ist in meinem Herzen”, sondern: “Ich bin in Gottes Herzen”.
Und glaub nicht, Du kannst den Lauf der Liebe lenken, denn die Liebe, wenn sie Dich für würdig hält, lenkt Deinen Lauf.
Liebe hat keinen andern Wunsch, als sich zu erfüllen.
Aber wenn Du liebst und Wünsche haben musst, sollst Du Dir dies wünschen:
Zu schmelzen und wie ein plätschernder Bach zu sein, der seine Melodie der Nacht singt.
Den Schmerz allzuvieler Zärtlichkeiten zu kennen.
Vom eigenen Verstehen der Liebe verwundet zu sein;
Um willig und freudig zu bluten.
Bei der Morgenröte mit beflügeltem Herzen zu erwachen und für einen weitern Tag des Liebens dankzusagen;
Zur Mittagszeit zu ruhen und über die Verzückung der Liebe nachzusinnen;
Am Abend mit Dankbarkeit heimzukehren;
Und dann einzuschlafen mit einem Gebt für den Geliebten im Herzen und einem Lobgesang auf den Lippen.

Oder wie der kleine Hase zum großen Hasen sagt (und wie es auch in unseren Trauringen steht):
Ich liebe dich von hier bis zum Mond und wieder zurück.

Ich liebe dich von hier bis zum Mond und wieder zurück

Ich Liebe Dich Von Hier Bis Zum Mond Und Wieder Zurück

Ein persönlicher Meilenstein für mich im Umgang mit Problemen ist eine Aussage von Byron Katie in ihrem Buch “Lieben was ist”. Katie geht davon aus, dass es nur drei Angelegenheiten gibt:

  • meine
  • deine
  • und Gottes (oder Natur, Schicksal, wie immer du es auch nennen willst)

Also immer dann, wenn du feststellst, dass du ein unangenehmes Gefühl hast (Trauer, Wut, Hass) frage dich:

In wessen Angelegenheit befindest du dich gerade mit deinen Gedanken?

Und wenn du feststellst, dass es nicht deine Angelegenheit ist, kehre zu dir zurück. Ganz oft verfliegt der Ärger, die Trauer, die Wut dann einfach von selbst.

Beispiel:

Ich habe ein junges Ehepaar als Nachbarn, die selten bis gar nicht grüßen. Anfangs habe ich mich sehr darüber geärgert. Und es verunsicherte mich. Bis mir klar wurde: “Wessen Angelegenheit ist es, ob sie grüßen? Ihre oder meine?”. Nun, es ist ihre Angelegenheit.  Sie selbst entscheiden, ob sie grüßen oder nicht. Also verflog der Ärger. Ich grüße weiterhin, wenn ich sie sehe. Und fast immer grüßen sie inzwischen zurück. Aber sie müssen es für mich nicht tun. Es ist ihre Angelegenheit.

Ein anderes Beispiel:

Der Zug hat Verspätung. Ich stehe am Bahnhof, habe eiskalte Füße und ärgere mich.
Wessen Angelegenheit ist es, ob der Zug Verspätung hat? Es ist nicht meine. Ich kann nichts daran ändern, also konzentriere ich mich auf mich selbst und nicht auf Sätze wie “der Zug sollte aber pünktlich sein”. Und schon ist der Ärger verraucht.

Katie sagt in ihrem Buch noch etwas sehr wahres “Wenn du in Gedanken das Leben eines anderen lebst, wer lebt dann in diesem Moment dein Leben?“.
Wenn ich in Gedanken ständig denke “der sollte dies tun”, “die sollte das lassen”, “der Zug sollte pünktlich sein” …. befinde ich mich außerhalb meines Selbst. Ich bin nicht zentriert. Ich versuche Menschen, Dinge, Situationen zu beeinflussen. Und muss zwangsläufig scheitern. Denn ändern kann ich nur mich selbst bzw. meine Einstellung zu solch einer Situation.

Ich erlebe solches “Leiden” oft in Gesprächen mit Freundinnen. Da wird sich gesorgt, ob die Tochter warm genug angezogen ist. Ob der Sohn genügend zu Essen dabei hat. Ob die Mutter zufrieden mit dem letzten Einkauf ist. Ob der Ehemann wohl pünktlich nach Hause kommt  …. Diese Liste ist unendlich lang. Aber alle Gedanken drehen sich um das Leben anderer.

Versuche doch mal, dich in den nächsten Tagen zu beobachten. Wie oft bist du nicht bei dir sondern im Leben anderer?

Ich frage dich:

Was bringt dein Herz zum Singen?

Bei welchem Hobby, Sport, bei welcher Tätigkeit hast du das Gefühl, ganz im Hier und Jetzt zu sein? Darin aufzugehen?  Da bist nur noch du und diese Tätigkeit. Sei es Tanzen, Malen, Joggen, Lesen, Musik hören, Fahrrad Fahren, Kochen  ….
Was ist es, was dein Herz zum Singen bringt?

Und nun überlege:

Wann hast du das zum letzten Mal gemacht?

Und wie oft machst du diese Tätigkeit? Selten? Regelmäßig? Gar nicht?

Ich habe fast mein ganzes Leben (ich lasse die Kinderzeit einmal weg) wie so Viele all zu sehr auf meinen Kopf gehört: Du solltest mehr Sport machen, besser essen, dich mehr um die Familie kümmern …. Pflichtbewusst mein Leben gelebt.

Herz im Schnee

Wofür schlägt dein Herz?

Bis ich zwei Dinge beschlossen habe:

zum einen: Ich mache nur noch das, was mein Herz zum Singen bringt. D.h. in den jeweiligen Situationen horche ich in mich hinein und frage: “Herz, gefällt dir das?” Und wenn es nicht antwortet, weiß ich, dass dies kein zukünftiges Hobby werden wird.

Jetzt wirst du sagen: “Man kann gar nicht nur das machen, was man will. Was ist mit Putzen? Arbeiten gehen? Wäsche bügeln?”
Nun, das ist die zweite Sache, die ich beschlossen habe:

Egal, was ich mache, ich mache es mit Aufmerksamkeit und Liebe.
Ja, man kann auch das Klo mit Liebe putzen :-) Vielleicht ist es leichter, wenn man einen schönen Lappen, duftendes Putzmittel und tolle Musik im Hintergrund hat. Aber wenn ich dann dabei bin, bin ich im “flow”, ich stelle mir vor, wie sauber gleich alles sein wird, wie schön doch eine saubere Toilette ist, wie dankbar ich dafür bin, ein Toilette zu besitzen.

Versuche es doch einmal! Meist ist es nur der erste Moment, bis man angefangen hat. Und es hilft mir, mir vorzustellen, dass ich das nicht machen muss, sondern will, weil ich eine saubere Toilette liebe. Weil ich es mag, gebügelte Kleidung zu tragen. Weil ich gerne mit meiner Berufstätigkeit Geld verdiene  …

Ich habe seit einiger Zeit ein Hobby gefunden, welches mein Herz so zum Singen bringt, dass ich sogar blaue Flecken davontrage und dennoch morgens aufwache und überlege: Wann hast du heute Zeit dafür? Und für das ich sogar die beliebten Zeitfresser wie Internet oder Fernseher links liegen lasse.

Es ist hoop-dancing. Der gute alte Hula-Hoop hat sein Come-Back. Und es gibt für mich nichts Schöneres, als auf laute, fetzige Musik die Hüften, Beine, Arme zu schwingen. Da singt mein Herz.

Aber zurück zu den Dingen, die dein Herz zum Singen bringen. Schreib mir doch, was es ist. Und vielleicht auch, wie oft du es machst. Ich freue mich schon auf Deine Antwort.

Kennt Ihr das Gefühl, dass einem manche Menschen (obwohl man sie gar nicht kennt) so richtig nahestehen? Du hörst jemanden am Telefon, du gehst an jemandem vorbei, du liest eine Geschichte über einen Menschen und bist sofort in seinen Bann gezogen.

Mir ist das vor kurzem erst geschehen. Ich war letztes Jahr in der Mittagspause unterwegs in der Stadt. Viele Menschen unterwegs. Ein jeder geht mehr oder weniger gut bzw. schlecht gelaunt eilig durch die Fußgängerzone. Und auf einmal zieht mich ein Gesicht magisch an. Und ehe ich überhaupt denken kann, kommt von ganz innen heraus ein Lächeln auf meine Lippen.

Ich kann es gar nicht fassen: ich lächel diesen wildfremden Mann einfach an.
Und das Schöne: er lächelt zurück.

Wir gehen wortlos aneinander vorbei. Ich drehe mich noch einmal um, ob ich ihn wirklich nicht irgendwoher kenne. Und überlege mir, was der Mann wohl von mir hält, da ich ihn einfach so mit meinem Lächeln überfallen habe. Den ganzen Tag über muss ich immer mal wieder an diese Situation denken und prompt schleicht sich das Lächeln wieder zurück an seinen Lieblingsplatz.

Irgendwann habe ich die Situation dann vergessen. Bis  wir uns zufälligerweise diese Woche in der Firma über den Weg laufen. Er kann sich erinnern und spricht mich an.
Und sofort ist es wieder da, das Gefühl: diesen Menschen kennst du. Er ist etwas ganz Besonderes, obwohl du gar nicht weißt, wie er heißt und wie er so ist.

Ich habe lange überlegt, warum das so ist. Weshalb ist da eine (angenehme) Spannung zwischen zwei Menschen, die sich nicht kennen?
Die für mich einzige logische Erklärung ist, dass ich ihm schon einmal begegnet sein muss. Und da das in diesem Leben nicht der Fall ist, muss es also davor gewesen sein. War er mein Bruder? Mein Mann? Mein Vater?
Ich werde es nie erfahren. Und ich werde auch im jetzigen Leben nicht mehr über ihn erfahren, da diese Anziehung so faszinierend ist, dass ich nicht weiß, wo es hinführen würde. Es ist ein zu heikles Spiel.

Also dann, lieber Unbekannter, wir sehen uns im nächsten Leben! Ich bin gespannt, wer von uns zuerst lächeln wird.


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